„Digital Film Arts“ im Rheinland lernen

Nächste Woche wird LAVAlabs-Gründer und ifs-Hochschuldozent Rolf Mütze in seinem Vortrag auf der animago-Konferenz am 27. und 28. Oktober erklären, was kleinere Studios von großen VFX-Studios in Hollywood lernen können. Die ifs stellten wir in der DP 03 : 16 bereits im Porträt und interviewten dafür auch Rolf Mütze.

Die IFS Internationale Filmschule Köln wurde 2OOO auf Initiative der Landesregierung sowie der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen als gemeinnützige GmbH gegründet. 2O12 gewann der Abschlussfilm der Filmhochschule „Die Schaukel des Sargmachers“ den Studenten-Oscar.

Neben den Studienschwerpunkten „Drehbuch“, „Regie“, „Kreativ Produzieren“, „Kamera“, „Editing Bild & Ton“ und „Szenenbild“ kann in dem 7-semestrigen Bachelor-Studiengang „Film“, der in Kooperation mit der TH Köln angeboten wird, auch „Digital Film Arts“ studiert werden. In diesem Studienschwerpunkt verbindet sich das dramaturgische Grundverständnis eines Filmemachers mit den neuen Möglichkeiten digitaler Bildgestaltung durch Animation und VFX. Seit 2002 nimmt die ifs alle zwei Jahre pro Studienschwerpunkt je 8 bis 10 Studierende auf, die mit einem »Bachelor of Arts« ihr Studium abschließen.

Studiengebühren

Die Studiengebühr pro Semester liegt bei 1.750 Euro, die einmalige Einschreibegebühr beträgt 400 Euro. Über den IFS-Förderverein kann zur Studienfinanzierung ein zinsloses Darlehen beantragt werden, zudem vergibt der Förderverein ab dem dritten Semester bis zum Ende des Bachelorstudiums derzeit vier Stipendien für herausragende Studienleistungen. Die Studierenden sind zudem Bäfog-berechtigt.

Master & Weiterbildung

Neben den Bachelorstudiengängen werden die internationalen Masterstudiengänge „Serial Storytelling“ und „Digital Narratives“ angeboten. Zusätzliche Masterstudiengänge sind zurzeit in Planung. Für professionelle Filmschaffende der Branche bietet die Hochschule ein umfangreiches Weiterbildungsangebot an, das von „Kostümbild“ bis „Interactive Media“ reicht.

Interview mit Rolf Mütze

Rolf Mütze begann seine Karriere als Animation- und VFX-Artist mit einem Studium der
„Visuellen Kommunikation“ in Münster, danach machte er in San Francisco den Master in „Computer Arts“ an der Academy of Art University. Seit 2000 ist er in der Industrie tätig und hat unter anderem an Projekten wie „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ oder „Cloud Atlas“ gearbeitet.

Mütze ist Mitgründer und Geschäftsführer von LAVAlabs Moving Images, die er gemeinsam mit Michael Brink leitet. Er unterrichtet regelmäßig u.a. an der HS Düsseldorf, dem Cologne Game Lab und ist seit 2015 Professor mit dem Fachgebiet „Digital Film Arts“ an der ifs – Internationalen Filmschule Köln.

In diesem Jahr hat er zum ersten Mal die animago-Jury bei der Auswahl der besten Beiträge unterstützt; Freitag (28. Oktober) wird er um 10 Uhr im Vortragssaal der Bibliothek des Münchner Gasteigs über „What smaller studios can learn from Hollywood ́s great VFX studios“ referieren. Das komplette animago-Konferenz-Programm finden Sie hier. Hier ein Auszug, das Interview in voller Länge lesen Sie in der DP-Ausgabe 03 : 16.

DP: Welche Tools lernen die Studenten?
Rolf Mütze: Für die Umsetzung der Bildideen schulen wir unsere Studierenden auf den industrietypischen Tools wie Nuke, Nuke Studio, Maya, Photoshop, After Effects, Houdini und vielen mehr.

DP: Wie vermittelt die Hochschule den Studenten die Kenntnisse eines zukünftigen Artists?
Rolf Mütze: Das Studium ist so angelegt, dass jeder Studierende jeden Teilbereich der VFX-Pipeline bis zu einem gewissen Kenntnisstand erlernt und so einen ganzheitlichen Überblick über den breit gefächerten Entstehungsprozess von visuellen Effekten gewinnt. Im Verlauf des Studiums kann man sich spezialisieren und einzelne Bereiche in den Fokus rücken.

DP: Was sind die Ziele in der Ausbildung?
Rolf Mütze: Wir möchten VFX-Artists mit einem großen gestalterischen Verständnis ausbilden, die in der Lage sind, Bilder zu entwerfen und diese im Zusammenspiel mit Regie, Kamera, Production Design und Editing umzusetzen. Um den gesamten Prozess der digitalen Bildgestaltung gehen zu können und für alle Departments ein wertvoller kreativer Partner zu sein, ist es wichtig, seine eigenen Ideen visualisieren und kommunizieren zu können. Die Studenten sollen das Know-how und Selbstvertrauen erhalten, um sich in den gesamten Prozess einmischen und ihn aktiv mitgestalten zu können. Hier sehe ich einen großen Schwerpunkt in meiner Arbeit mit den Studierenden.

DP: Welche Kompetenzen möchten Sie bei den Projekten für eine Bewerbung an der Hochschule bereits sehen?
Rolf Mütze: Bei diesen muss deutlich werden, dass sich jemand für Film interessiert und eine gewisse Neugierde für das bewegte Bild mitbringt. Mich interessiert erst mal nicht, welche tollen Tutorials der oder die Bewerber/in schon gemacht hat oder welche Software Skills erlernt wurden – es muss nicht alles perfekt sein. Ich möchte eher erkennen, ob jemand ein Verständnis für die Gestaltung von Bewegtbild hat. Das kann ein Gespür für Animation sein oder auch die spannende Kombination von selbst gedrehten und digitalen Bildern.

DP: Welche Art Filme sind bei den ersten Abschlussprojekten des ersten Jahrgangs der „Digital Film Arts“-Studenten entstanden?
Rolf Mütze: Es gab eine große Bandbreite: Vom animierten Kurzfilm über die VFX-Bearbeitung für Realfilme bis hin zu sehr technischen Arbeiten wie die Implementierung eines Raytracers in Nuke ist alles dabei gewesen. Auch die Umsetzungsideen variierten: Bei einem Animationsprojekt wurde Motion
Capturing eingesetzt, ein anderes wurde mit klassischer Keyframe-Animation realisiert und neben digitalen Effekten in Houdini gab es auch Effektanimationen, die komplett in After Effects entstanden sind. Dabei habe ich mich sehr gefreut zu sehen, mit welchem Enthusiasmus die Studierenden ihre Ziele verfolgt haben. Ein toller erster Jahrgang!

DP: Wie hat sich in Ihren Augen die VFX-Branche in den letzten 20 Jahren, als Sie eingestiegen sind, verändert?
Rolf Mütze: Als ich angefangen habe, war es wahnsinnig schwer, an Tools zu kommen und diese zu erlernen. Das ist heute anders. Aber auch wenn die Zugänglichkeit der Tools und die vielen Tutorials im Netz den Einstieg erleichtern, muss man sich auch heutzutage genauso durchbeißen und die Werkzeuge erlernen, um die geforderten Qualitätsstandard zu erreichen. Eine schöne Entwicklung in meinen Augen ist, dass wir als VFX-Artists
mittlerweile sehr früh in den Entwicklungsprozess von vielen Projekten involviert sind. Die Möglichkeiten der digitalen Bildgestaltung haben sich so stark erweitert, dass sie inzwischen auch für „Nicht-Blockbuster“ erschwinglich sind. Die Auseinandersetzung mit dem Drehbuch, Abklopfen auf Machbarkeit in bestimmten Budgetrahmen und die Zusammenarbeit mit Production Designer, Kameraleuten und Regisseuren lange vor Drehbeginn gibt uns die Möglichkeit, das Aussehen eines Films weit mehr zu beeinflussen und mitzugestalten als noch vor 10 Jahren.

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