In München, Stuttgart und Köln präsentierten die Absolventen der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation im Juli und August ihre Abschlussarbeiten des Studiengangs Medien- und Kommunikationsdesign auf der Ausstellung „for Senses“.
Die Besucher wählten in München diese zwei Abschlussprojekte auf Platz 1 und 2.
Die Themen der öffentlichen Ausstellungen reichten von Augmented Reality bis Produktdesign.
Den ersten Preis durch die Abstimmung der Ausstellungsbesucher gewann Johannes Englert mit einem 3D-Nachbau der Kathedrale Notre Dame in Paris. Das Publikum wählte seine Arbeit zur besten der Ausstellung.
Nur ganz knapp dahinter in der Gunst, auf dem zweiten Platz, landete Philipp Rögers Character mit Nuss. Das Filmprojekt “A Tough Nut“ ist eine Kombination von Realfilmaufnahmen und computergenerierten Grafiken.
Das Bild von Johannes Englert, das die Ausstellungsbesucher zu ihrem Favoriten wählten, behandelte den Vergleich der unterschiedlichen Methoden der Innenraumvisualisierung einer Kathedrale mit einer bildoptimierten Raumausleuchtung. Voraussetzung dafür war, dass ausschließlich „natürliche“ Lichtquellen (Sonne und Atmosphäre) verwendet werden.
„Häufig ergeben sich bei der Visualisierung von Innenräumen unter Zuhilfenahme von 3D-Programmen mehrere Probleme“, so Englert.
Kernthema der Arbeit sei somit die Frage, wie man eine möglichst gute Ausleuchtung des Innenraums erhalte, wenn man nur mit natürlichen Lichtquellen arbeitet.
Bei der Entwicklung der Szene war Teil der Arbeit die Suche eines geeigneten Objekts, den Recherche- und Modelingprozess sowie den Texturierung- und Shadingvorgang.
Grundlage der detailliert ausgearbeiteten Architekturvisualisierung waren Aufzeichnungen des französischen Architekten und Restaurators Eugène Emmanuel Viollet-le-Duc.
Ausgehend von teilweise dunklen Bildern fragte sich Englert: Wie verhält sich Farbe mit welcher Technik? Wie weit kann man in der Bildaufhellung gehen ohne „ausgefressene“ Bereiche herzustellen? Er fand heraus, dass es reichlich Spielraum bei der Bildaufhellung vor der Bearbeitung in 3D gibt.
Um zu klären, welche dieser Methoden die bestmögliche Ausleuchtung und den größten Spielraum im Nachbearbeitungsprozess erlaubt, renderte der Student für jede angewandte Methode Stils und verglich sie anschließend hinsichtlich ihrer technischen Qualität miteinander.
„Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Belichtungs-, Bildsynthese- und Farbverwaltungsmethoden, zum Beispiel Linear Workflow und Exponential Color Mapping. Jede dieser Methoden erzielt andere Bildergebnisse und hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Möglichkeiten im Nachbearbeitungsprozess eines gerenderten Bildes.“
Die Untersuchung wurde von Englert auf das Softwarepaket 3D Studio Max 2011 sowie ChaosGroup V-Ray 1.5 SP5 begrenzt.
Die Erkenntnisse, die aus der Untersuchung gewonnen wurden, dienen abschließend der Entwicklung von Einzelbildern der 3D Szene in druckfähiger Auflösung zur Präsentation der Visualisierung in einem Printmedium wie zum Beispiel eines Buches, das den Entstehungsprozess der Visualisierung und die Auswirkungen der Anwendung o.g. Methoden dokumentiert.
Ob diese Bildoptimierung auch zu einer Kostenreduktion führt, wäre jedoch eine zweite Studie, so Englert.
Kernthema der Arbeit des Zweitplatzierten Phillipp Rögler bei der Kombination von Realfilmaufnahmen mit computergenerierten Grafiken war die Analyse der Anwendbarkeit von Trackingmethoden.
Mit diesen soll gewährleistet werden, dass der Zuschauer den Unterschied zwischen Realfilmaufnahme und computergenerierter Grafik nicht wahrnimmt.
Er fand heraus, dass aufwendige Trackingmethoden auf Realfilmaufnahmen bei bestimmten Kameraeinstellungen durch einfachere Methoden sinnvoll ersetzt werden können.
12 Wochen Arbeit stecken in dem 2,5 minütigen Animationsfilm „A tough Nut“, der den praktischen Teil der Arbeit darstellt.
Als Realfilmkulisse diente eine alte Lagerhalle. In diese bettete er einen computergenerierten Character, ein blaues Eichhörnchen, das er von der CGI-Plattform „Creative Crash“ herunterlud, ein.
Dabei untersuchte Röger die beiden gebräuchlichsten Trackingmethoden, 2D- und 3D-Tracking, im speziellen vor allem bei Kamerabewegungen, wie Schwenks und Fahrten, bei denen verschiedene Trackingmethoden erforderlich sind.
„Diese Methoden wurden von mir analysiert und optimal an die Szenerie angepasst." erklärt Röger, der mit seiner Arbeit eine Optimierung erarbeitet hat.
Damit der Zuschauer den Unterschied zwischen Realfilmaufnahme und computergenerierter Grafik nicht wahrnimmt, sind aufwendige, lange Arbeitschritte notwendig.
Rögler wollte diese vereinfachen und stellte sich die Frage, wie das funktionieren könnte. Die Antwort liegt in der Kombination von Kamerabewegung und Szenengestaltung.
Zu dem Ergebnis seiner Untersuchung sagt Rögler: „Das Vergleichen beider Methoden, Effekte in Filmaufnahmen einzubetten, ist relativ schwer. Beide Methoden bauen mehr oder weniger aufeinander auf. Sie haben spezielle Einsatzbereiche. Die 2D-Trackingmethode ist nicht für aufwendige 3D-Effekte, wie beispielsweise computergenerierte Fahrzeuge, geeignet. Die 3D-Methode ist dagegen viel zu aufwendig, um ein planares Backgroundreplacement durchzuführen.“ Erst der richtige Einsatz mache diese Methoden jeweils effektiv.
Den Film "A Tough Nut" gibt´s hier zu sehen:
A tough nut from phil röger on Vimeo.