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24.02.2009 | AUDIO
Avatare sind die Zukunft des Online-Verkaufs

 
Strategien aus Second-Life sollen soziales Erlebnis fördern.




Die Übernahme virtueller Elemente, die heute auf Plattformen wie Second-Life verbreitet sind, werden künftig mehr Kunden zum Kauf in Online-Shops bewegen. Zu diesem Schluss kommt eine Marketinganalyse der Kansas State University, die in der Aprilausgabe der Zeitschrift The Services Industries Journal veröffentlicht wird. Aufgrund derzeitiger Schwächen beim Einkaufserlebnis könne der Online-Handel heute noch nicht mit dem Einkauf in der realen Welt konkurrieren, so die Forscher. Avatare als virtuelle Darstellung der Kunden würden sich jedoch besonders für Händler als Lösung anbieten. Zwar sei die Technik derzeit noch nicht reif dafür, doch gebe die bisherige rasche Entwicklung des Internets Hoffnung auf diesbezüglichen Fortschritt.

"Der Käufer der Zukunft wird seinen Avatar in ein virtuelles Geschäft schicken, das auch den Anschein von drei Dimensionen hat", sagt Studienleiterin Esther Swilley. Die freie Bewegung durch das Geschäft erlaube wie im realen Geschäft, die gewünschten Waren in einem Einkaufswagen zu verstauen. Der Avatar ermögliche sogar das Ausprobieren eines T-Shirts oder der Blick in den Spiegel vor der Bestellung, um die Ware zu prüfen. "Je nach Vorlieben der Käufer werden die Verkäufer das Angebot auch in ihren realen Geschäften ausrichten." Der Avatar-Einkauf könne auch soziale Funktionen erfüllen. "Wer gerade am Computer sitzt und die Freundin an ihrem, kann man gemeinsam einkaufen gehen", schlägt die Marketing-Expertin vor.

Swilley bestätigte in Untersuchungen, dass Menschen vorwiegend auf Webseiten der Händler einkaufen, deren Namen und Marken sie vertrauen. Den meisten Händlern, die im realen Leben erfolgreich sind, hätte jedoch der Versuch des Verkaufs in Second Life bisher nur mäßigen Erfolg gebracht. "Den Second-Life-Besuchern gefiel es nicht, sie kaufen ihre Waren eher bei anderen Avataren als bei externen Händlern. Es ist, als würden sie denken: 'Das ist unsere Welt, bleib gefälligst draußen'", so die US-Forscherin.

"Solche Visionen sind in den nächsten Jahren noch kein Thema", bewertet Florian Langenbucher, Leiter des Online-Marketings beim eCommerce-Dienstleister Shoptimax, im Interview mit pressetext.de Swilleys Vorschläge. Diese seien so innovativ, dass sie neben dem Fortschritt der Technik ein gänzlich neues Verkaufsverhalten einer nachrückenden Generation voraussetzen würden. "Schüler, die heute noch auf spielerische Weise Mikrobeträge einzahlen, werden in zehn bis fünfzehn Jahren zur kaufkräftigen Zielgruppe. Erst dann erreichen solche Geschäftsmodelle den allgemeinen Consumer-Bereich." Die heutigen Gruppen mit hoher Kaufkraft würden sich in diesem Modell jedoch nie richtig wohlfühlen, vermutet Langenbucher.

Den fehlenden Sozialkontakt und die ausbleibende Warenkontrolle vor Ort erkennt auch Langenbucher als derzeit größtes Manko im Online-Verkauf. "Das Social Marketing ist eine gewisse Antwort darauf. Nutzerbewertungen und Empfehlungen eines Shops oder eines bestimmten Artikels sind für die Käufer von immenser Wichtigkeit in ihrer Kaufentscheidung." Auf diesen Umstand hätten jedoch bisher erst wenige Anbieter reagiert, so der Nürnberger eCommerce-Experte.
(mik)



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