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03.01.2008 | COMMUNITY
Bill Gates verabschiedet sich von der High-Tech-Bühne

 
Zum letzten Mal tritt Bill Gates auf die Bühne der Comdex am Wochenende.




Bei seinem ersten Auftritt vor einem großen Messepublikum in Las Vegas verließ sich Microsoft-Mitbegründer Bill Gates 1983 noch auf den Beistand seines Vaters. Zur Ankündigung der ersten Windows-Version auf der Computermesse Comdex stand William H. Gates Sr. persönlich am Projektor, um die Folien zur Rede seines Sohnes zu wechseln. Präsentationsprogramme wie PowerPoint oder einen Beamer zum Anschluss an den PC gab es damals noch nicht. Ein Vierteljahrhundert später öffnet sich für Bill Gates auf der Consumer Electronics Show (CES) 2008 zum letzten Mal der große Vorhang einer High-Tech-Messe in Las Vegas. In den kommenden Monaten wird sich der Multimilliardär vollständig aus seiner Führungsrolle bei Microsoft zurückziehen, um sich künftig auf seine Arbeit als Philanthrop in der «Bill & Melinda Gates Stiftung» zu konzentrieren.

Die Glitzerwelt der Wüstenstadt im US-Bundesstaat Nevada bot Gates in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder die Bühne für wichtige Ankündigungen. Nach der Präsentation von Windows 1.0 ragte vor allem sein Auftritt im Aladdin Hotel am 12. November 1994 hervor. Damals formulierte der Software-Tycoon zum ersten Mal seine Vision von der allgegenwärtigen Information («Information At Your Fingertips»). Mit Hilfe eines Kurzkrimis, der auf der Riesenleinwand im Aladdin Theatre abgespielt wurde, verdeutlichte Gates, wie der Personal Computer das private und berufliche Leben nachhaltig beeinflussen werde. Und der überragende Markterfolg von Windows 95 in den kommenden Jahren bestätigte die These des Microsoft-Chefs.

Auf der Comdex 2001 ging Gates noch einen Schritt weiter und kündigte ein «digitales Jahrzehnt» an: «In dieser digitalen Dekade wird Computer-Technologie jeden Teil unseres Lebens verändern und das Versprechen des wirklich sicheren und wirklich persönlichen Computers einlösen.» Auch mit dieser Prognose lag Gates damals nicht daneben. Allerdings erwiesen sich in den dann folgenden Jahren eher Firmen wie Google und Apple als treibende Kräfte bei der Umsetzung des «digitalen Lifestyles», während Microsoft wichtige Trends wie die Internet-Werbung oder den iPod-Boom verpasste.

Zur Abschiedsvorstellung von Bill Gates in Las Vegas am kommenden Sonntag steht Microsoft vor neuen Herausforderungen: Das Betriebssystem Windows Vista hat noch nicht die Erwartungen erfüllt, die Gates selbst in die neue System-Software gesetzt hat. Insbesondere Business-Kunden trauern dem bewährten Windows XP hinterher. Außerdem wird Microsoft dort mit dem Geschäftsmodell «Software as a service» konfrontiert, bei dem Firmen wie Salesforce.com Programme als Dienst über das Web zur Verfügung stellen. Unter dem Motto «Software plus Service» versucht Microsoft nun zu kontern. Auch im Mobilfunkmarkt läuft es nicht wie geplant: Entgegen der Einschätzung von Gates ist Google vor einigen Wochen massiv in dieses Segment eingestiegen und bedroht mit der neuen Handy-Software «Android» den Aufstieg des Microsoft-Systems «Windows Mobile».

Die Antworten von Microsoft auf diese Herausforderungen wird nicht mehr Bill Gates formulieren. Nachdem er bereits im Januar 2000 seinen Posten als Konzern-Chef an seinen langjährigen Mitstreiter Steve Ballmer abgegeben hatte, wird Gates sich bis zum Sommer 2008 fast vollständig bei Microsoft zurückziehen. Zwei erfahrene Technologie- Experten sollen die gigantische Lücke füllen: Craig Mundie und Ray Ozzie. Mundie, ein Microsoft-Veteran, führt nun den Titel eines «Chief Research and Strategy Officer». Ozzie, der einst das System «Lotus Notes» erfunden hat, kam erst im Jahr 2005 mit der Übernahme seiner Firma Groove Networks zu Microsoft. Er übernahm von Gates die Aufgabe des «Chief Software Architect» von Microsoft.

Wer von den beiden Software-Strategen die Rolle des Aushängeschilds von Microsoft übernehmen wird, zeichnet sich bislang nicht ab. In den vergangenen Monaten trauten sich weder Mundie noch Ozzie aus dem Schatten des übergroßen Bill Gates' hervor. Klar ist aber, dass sich die CES im Jahr 2009 einen neuen Eröffnungsredner suchen muss, denn Gates wird nicht mehr zur Verfügung stehen. «Sie könnten mich noch einladen, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie das wirklich wollen, denn ich würde vor allem über anstreckende Krankheiten - und nicht über großartige Software - reden», beschied der Microsoft-Chairman die CES-Verantwortlichen schon vor einem Jahr.
(mjl)



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