DP-Interview: Architekten öffnen sich 3D-Markt

Autodesk ist weltweiter Sponsor der Wanderausstellung „Envisioning Change“, die auf den Klimawandel aufmerksam macht. In Oslo wurde am Weltklimatag diese Ausstellung von Autodesk eröffnet. Bei dieser Gelegenheit führte DP-Chefredakteur Matthias J. Lange ein Interview mit Amar Hanspal, Autodesk Senior Vice President Platform Solutions and Emerging Business.
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DP: Dem Visualisierungsmarkt gehört die Zukunft. Architekten und 3D-Artists müssen enger zusammenarbeiten. Sehen Sie eine gemeinsame Zukunft beider Märkte?

Hanspal: Auf jeden Fall. Grundsätzlich arbeiten alle mit einer ähnlichen Hard- und Software. Und die Probleme die beide Märkte haben, sind mehr ähnlich als unterschiedlich. Da wäre es an der Zeit, dass wir hier zusammenarbeiten. Für viele Architekten, vor allem bei mittleren und größeren Projekten, gehört die Visualisierung ihrer Ideen heute einfach dazu. Dazu gehört auch, wie das Gebäude bei Tag und bei Nacht aussieht, sich der Eindruck eines Gebäudes bei unterschiedlichen Sonnenständen verändert – und dies wird in 3D gemacht und deutlich mehr Bedeutung bekommen.

DP: Autodesk ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Im 3D-Bereich war der Kauf von Alias wichtig. Wie hat sich dadurch Ihre Firmenkultur verändert?

Hanspal: Wir haben für unsere Kunden eine digitale Welt geschaffen, die sie jetzt komplett von Autodesk nutzen können. Das ist unsere Vision, den Kunden den Zugang und den Nutzen der digitalen Welt zu vereinfachen. Und diese Welt wird durch immer leistungsstärkere Produkte ergänzt, um zu simulieren, zu visualisieren. Unsere Kultur heißt Innovation für die Praxis. Dabei haben wir nicht nur große Hollywood-Studios im Fokus, sondern unser Enthusiasmus liegt darin, die Hollywood-Studio-Software für jedermann zugänglich und nutzbar zu machen. Das treibt unsere Innovationen voran.

DP: Dennoch ist Ihre Software keine Allerwelts-Software und die Lernkurve ist noch sehr steil.

Hanspal: Es kommt darauf an, von welcher Seite man es betrachtet. Im Architekturbereich kann der User sehr schnell zu Ergebnissen kommen. Im 3D-Bereich sieht es noch anders aus. Hier ist die Lernkurve noch steil, aber wir haben das Handling unserer Software deutlich verbessert im Vergleich zu den Anfängen. Heute steht die Kreativität an erster Stelle.

DP: So mancher Architekt hat noch Angst vor 3D. Er gibt seine Visualisierungen an einen freien 3D-Artist ab. Wie können wir ihm die Angst nehmen?

Hanspal: Auf lange Sicht ist es der falsche Weg. Der Architekt muss sich mit Visualisierung befassen. Er muss sich dem Thema 3D widmen, es führt kein Weg daran vorbei, egal ob er sich mit Ener­gieströme im Haus beschäftigt oder mit anderen Dingen.

DP: Brauchen wir dazu eine neue Generation von Architekten?

Hanspal: Vielleicht brauchen wir dazu eine neue Generation, vielleicht müssen auch nur Teile der jetzigen Generation genauer zuhören. Die Kunden werden es einfordern. Wir haben dazu Studien aus den Vereinigten Staaten, die genau diesen Weg beweisen. Rund 30 Prozent der befragten Architekten sagten, dass sie Visualisierungen nutzen und es mehr Nachfrage gibt. In zwei Jahren werden sicherlich über 50 Prozent der Architekten 3D-Software nutzen. Das lässt sich nicht wegdiskutieren, auch wenn manche Leute gerne möchten. Es ist an der Zeit, dass sich viele Architekten neuen Strömungen und neuer Software öffnen.

DP: In der Vergangenheit schien es so, dass es einen Streit der Formate gab: Acrobat 3D von Adobe gegen DWF von Autodesk. Streiten Sie sich immer noch?

Hanspal: Die Adobe-Software ist gut und sehr populär bei den Kunden und sie richtet sich an Dokumenten-Verwaltung. Wir unterstützen das PDF-Format und werden es künftig noch stärker unterstützen. Vor einigen Jahren klang es immer so, als ob wir PDF nicht mögen. Das ist falsch. Viele unserer Kunden setzen PDF in ihrem Workflow ein. DWF geht einen anderen Weg. Um es plastisch zu sagen: DWF sorgt dafür, dass die Welt dreidimensional wird. Komplexe Modelle aus unserer Software können einfach übertragen werden. Mit DWF können 2D- und 3D-Plandaten von Projektteams gemeinsam genutzt und damit die Qualität, die Kosten und die Terminplanung eines Projekts ohne Einbußen bei Präzision, Sicherheit oder Zieltreue verbessert werden. Wir wollen PDF nicht ersetzen, wir wollen es ergänzen.

DP: Der Feature-Wahn von Software sollte ein Ende haben, um mehr Wert auf eine Workflow-Integration zu legen. Ist dies ein Ziel?

Hanspal: Für uns steht Usability im Mittelpunkt. Hier investiert Autodesk. Wir wollen Sachen für unsere Kunden einfacher machen. Das ist uns sehr gut im 2D-Bereich gelungen, jetzt konzentrieren wir uns auf den 3D-Bereich. Die Bedienung wird sehr viel einfacher werden. Interaktion ist wichtig. Im Architekturbereich heißt dies, dass wir nicht nur ein Gebäude schaffen, sondern wie wirkt das Gebäude im Sonnenlicht, wie verhält es sich bei Wolken usw. Der reibungslose Workflow ist uns auch wichtig, weil unsere Kunden ihr Design nicht in isolierten Welten schaffen, sondern sie müssen ihre Arbeit an andere weitergeben.

DP: Welche Rolle spielt Community bei Ihren Kunden?

Hanspal: Im Bereich Media und Entertainment gibt es den Bereich http://area.autodesk.com/, der auch für Architekten interessant sein wird. Unsere Kunden wollen einen Bereich, in denen sie Fragen austauschen können. Die beste Art von Community ist, wenn wir alle voneinander lernen können. Autodesk kann hier Teile einer Plattform beisteuern, doch mit Leben erfüllt wird diese Plattform, wenn die User sie nutzen. Aber wir sind kein Kontrollunternehmen, das darauf achtet, dass nichts Falsches veröffentlicht wird.

DP: Letzte Frage zum Streit der Betriebssysteme. Der Großteil der Autodesk-Software läuft unter Windows, ein paar Applikationen wie Maya oder Cleaner laufen unter Mac OS. Der Mac-Markt steigt stetig. Ist dies auch ein neuer Markt für Autodesk?

Hanspal: Wir sind ein auf Windows-zentriertes Unternehmen, aber in einigen Fällen unterstützen wir das Mac-System, genauso wie das Linux-System. Es ist abhängig von den jeweiligen Produkten. Vor zehn, 15 Jahren brachten wir jedes Produkt auf jeder Maschine heraus, doch wir haben über die Jahre gelernt. Der Mac ist sehr populär bei den Kreativen, daher glaube ich nicht, dass Herstellungssoftware für den Mac eine gute Idee wäre. Das bedeutet nicht, dass wir für den Mac nichts entwickeln werden. Die Zukunft gehört sicher Applikationen, die im Browser arbeiten und plattformunabhängig sind. Nehmen wir unsere Software Buzzsaw, die auf jedem Betriebssystem und unter jedem Browser läuft. Sie werden künftig mehr solcher Software von uns sehen.

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