Honig auf der Leinwand – Regisseur Semih Kapanoglu bei ARRI Köln

„Bal“, eine Koproduktion der türkischen Kaplan Film Yapim und der deutschen Heimatfilm GmbH + Co KG (verantwortliche Koproduzenten: Johannes Rexin und Bettina Brokemper) wurde mit Fördermitteln von Filmstiftung NRW und von Eurimages von Juli bis September 2009 in der Türkei auf 35mm 4-Perforation abgedreht (Kamera: Baris Özbicer).

Die Entwicklung des Negativ-Materials erfolgte im Filmlab am ARRI Standort München, wo auch die türkische ARRI Lichtbestimmerin Süeda Yamac die Videomuster für den Schnitt betreute. Der Schnitt (Ayhan Ergürsel) selbst fand in der Türkei statt. Für

die Postproduktion zeichnete die kürzlich eröffnete ARRI Film & TV Dependance Köln verantwortlich, wo in Anwesenheit des Regisseurs innerhalb des brandneuen und großzügig mit State-of-the-Art-Equipment (Barco DP90 Projektor bzw. HD Monitore) ausgestatteten Gradingkinos die digitale Lichtbestimmung erfolgte.

Mit der Weltpremiere von „Bal“ (Honey) – offizieller Wettbewerbsbeitrag zur diesjährigen Berlinale – stellt Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Semih Kaplanoglu erneut seine Meisterschaft unter Beweis, in einer berückend ruhigen Bildsprache eine ebenso poetisch dichte wie von Momenten eines magischen Realismus

durchwobene Erzählung auf die Leinwand zu bringen.

Kaplanoglu, Jahrgang 1963, der als einer der legitimen Nachfolger des türkischen Regiemeisters Yilmaz Günay („Yol“) gehandelt wird, sieht sich selbst mit seiner Vorliebe für oft minutenlange, statische Einstellungen, die den Betrachter dem Sog eines fremd gewordenen, aktionslosen Zeitgefühls ausliefern, in der Tradition eines Robert Bresson. Der neueste Film des Multitalents ist zugleich der Abschluss seiner international vielbeachteten und mit zahlreichen Preisen gewürdigten „Yusuf“-Trilogie.

Zusammen mit den beiden vorangehenden Kapiteln „Yumurta“ (Ei) und „Süt“ (Milch), die jeweils in Cannes (2008) bzw. in Venedig (2009) ihre Premiere feierten, reflektiert „Bal“ als vielleicht ambitioniertestes Projekt des türkischen Kinos der letzten Jahre in einer Art rückwärts gewandten Biographie Stationen im Leben des Poeten Yusuf, der seinen eigenen Weg zwischen den Extremen einer unbehausten Moderne und der nur scheinbar heilen Welt einer Kindheit in der traditionellen Welt Anatoliens finden muss.

Stellte „Yumurta“ den Dichter als Mann in mittlerem Alter vor, und zeichnete „Süt“ das Portrait des schüchternen, unentschlossenen Jungen an der Schwelle zum Erwachsensein, so begegnen wir in „Bal“ schließlich dem Kind Yusuf, der zusammen mit seinem Vater, einem Imker, auf der Suche nach Bienenvölkern durch die unberührten, geheimnisvollen Wälder Anatoliens nahe der Schwarzmeerküste streift und dort von

Erlebnissen geprägt wird, die seine künftigen Lebenslinien vorzeichnen.

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