Aixsponza Studioportrait

Aixsponza gewann im letzten Jahr für die "Red Bull Spielberg Track Introduction" einen animago AWARD für die beste Visualisierung. Hier das Portrait zu dem Studio aus München.
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"Red Bull Spielberg Track Introduction" Credit: Red Bull Media House, Peter Clausen Filmproduktion GmbH, Aixsponza GmbH

Schon einmal Bekanntschaft mit einer Brautente gemacht? Oder anders ausgedrückt: Mit einer Aix sponsa, der in Nordamerika heimischen und weitverbreiteten Entenart? Im Jahr 2006 bündelten vier Münchner Freelancer ihre Kompetenzen und gründeten ihr gleichnamiges Unternehmen im Stadtteil Schwabing. Wie das Studio arbeitet, welche Projekte betreut werden und warum schließlich aus dem „S“ ein „Z“ im Namen wurde, verriet uns Manuel Casasola Merkle, Gründer und Creative Director von Aixsponza.

DP: Wie kam es zur Gründung der Firma?
Manuel Casasola Merkle: Tobias Müller, Achim August Tietz, Christian Tyroller und ich gründeten Aixsponza 2006. Zuvor waren wir in München als Freelancer bei unterschiedlichen Firmen wie Hochkantfi lm, Velvet Mediendesign (siehe auch DP-Ausgabe, die am 10. Juli erscheint) oder Gate11 aktiv und haben immer wieder gemeinsam an Projekten gearbeitet. Bald entstand die Idee, eine Plattform zu schaffen, um unsere breit gefächerten Interessen zu kombinieren und eigene Projekte zu verwirklichen. Entwurf, Regie, Schnitt und Fotografie als Spezialgebiete und 3D-Design als gemeinsames Interesse bilden bis heute die Basis von Aixsponza. Dabei war unser Grundgedanke, stets ein hohes gestalterisches Niveau mit einer ausgefeilten technischen Umsetzung zu kombinieren und so gute und gleichzeitig effektive Arbeit abzuliefern. Eine unserer ersten kommerziellen Arbeiten, „speakers“ für BigFM/Jung v. Matt, wurde schon bald nach der Gründung mit einem Clio Award ausgezeichnet, was uns bestärkt darin hat, mit der Gründung von Aixsponza den richtigen Schritt unternommen zu haben.

aixLettersDP: Wie kamen Sie auf den Namen?
Manuel Casasola Merkle: Wir suchten nach einem Namen, der interessant klingt, ohne auf unser Betätigungsfeld Bezug zu nehmen. Es sollte ein Wort sein, das wir mit Bedeutung aufladen konnten. Außerdem sollte der Name mit A beginnen, damit unsere Firma in alphabetischen Listen vorne steht. Da wir vom ersten Tag unseres Bestehens an viel zu tun hatten, blieb wenig Zeit für die Namensgebung und unser Erscheinungsbild. Wir brauchten eine schnelle Lösung. Also durchsuchten wir den Wikipedia-Index nach einem passenden Begriff, der auch als Domain noch verfügbar war, und stießen auf „Aixsponsa“. Die lateinische Bezeichnung für die Gattung der Brautenten gefi el uns auf Anhieb, und nach einem Austausch des „S“ durch ein „Z“ fand Google keine Ergebnisse mehr. Unser Logo, die Ente, stand damit ebenfalls fest. Mittlerweile haben wir auch intern das „Aix“-Namens Schema durchgehalten. Unsere Rechner heißen zum Beispiel „Aixpert“ oder „Aixterior“.

DP: An welchen Standorten ist Aixsponza vertreten?
Manuel Casasola Merkle: Aixsponza wurde in München gegründet, weil alle vier Partner aus München kommen. Allerdings hat sich dieser Standort als ziemlich vorteilhaft für uns erwiesen. Neben zahlreichen Kontakten zu Kunden und Partnern im süddeutschen Raum, die wir mit in die Firma einbringen konnten, hat München auch die Ressourcen, um die Bedürfnisse einer Medienfirma an Personal und technischer Dienstleistung abzudecken. Die Nähe zu den großen deutschen Automobilherstellern ist ebenfalls vorteilhaft für uns. Bislang gab es noch keine Überlegungen, einen zweiten Standort zu eröffnen, aber für die Zukunft möchten wir diesen Schritt nicht ausschließen. In Großbritannien werden wir durch Joyrider Films (joyriderfilms.com), in den USA durch ACME Filmworks (www.acmefi lmworks.com) vertreten.

DP: Wie ist Ihre Firma eingerichtet?
Manuel Casasola Merkle: Seit 2008 arbeiten wir in einem schönen, hellen 400-Quadratmeter-Büro in Altschwabing. In der ersten Etage befi nden sich drei Büroräume mit Platz für bis zu 40 Arbeitsplätze und teilweise Panoramablick auf die turbulente Feilitzschstraße in Schwabing. Außerdem ein Produktionsbüro, eine Compositing- und eine Finishing-Suite. In der kleinen Küche kann man selber kochen, oder man nutzt die unmittelbare Umgebung, die für viel Abwechslung beim Mittagessen sorgt: von Burritos an der Münchener Freiheit bis zu Weißwürsten am Seehaus.

Aixsponza-Studio in München
Aixsponza-Studio in München

DP: Wie sind die Mitarbeiter/Teams strukturiert?
Manuel Casasola Merkle: Aixsponza beschäftigt zwölf feste Mitarbeiter. Die Organisation der Teams hängt sehr von der Art des Projekts ab. Bei kleinen Projekten pfl egt Aixsponza einen Artistzentrierten Workfl ow, der die Kreativität so wenig wie möglich einschränkt. Dabei setzen wir auf Generalisten, die Design und Technik beherrschen und so Projekte schnell und kreativ umsetzen können. Die Effizienz steigt ebenfalls, weil nur wenig Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Teams notwendig ist. Bei allen größeren Aufgaben greift Aixsponza zusätzlich auf einen umfangreichen Pool von Freelancern zurück. Da die kurzen Projektlaufzeiten eine parallele Bearbeitung in der Regel notwendig machen, setzen wir auf einen klassischen Departmentbasierten Workfl ow. Regie/Animatic, Look/Layout und Assets/Umsetzung arbeiten gleichzeitig. Im Umsetzungsteam gibt es bei uns die klassische Trennung in Modeling/Shading, Rig und Licht.

DP: Wie ist der Workflow organisiert?
Manuel Casasola Merkle: Projekte werden gestartet, indem ein neues Projekt in Basecamp, einer webbasierten Kollaborations-Software, erzeugt und eine grobe Struktur angelegt wird (basecamp.com). Beteiligte  Artists, Subunternehmen und teilweise auch Kunden werden zum Projekt eingeladen. Im Gespräch mit den Artists werden dann Aufgaben und Ziele dynamisch hinzugefügt und geändert. Im Gegensatz zu Shotgun oder Ftrack hat jeder Artist die Möglichkeit, selbstständig die Struktur zu betreuen und zu verbessern, nicht nur der Projektleiter oder Producer. Dadurch kann eine teilweise Selbstverwaltung unserer kleinen Teams ermöglicht werden. Aufgaben und Ziele werden direkt vergeben, im kleinen Kreis besprochen und die Teams sind angehalten, sich möglichst selbst zu organisieren. Die Scrum-Methodologie ist momentan im Test, um diese Arbeitsweise weiter zu optimieren. Unsere effi ziente Datei- und Server struktur gibt den Workfl ow zwischen den Departments vor. Projektdaten nehmen ihren Weg vom Office-Server über Projekt-, Render- und Compositing-Server bis hin zum Archiv-Server auf LTO-Bänder. Die Render-Management-Software RoyalRender (www.royalrender.de) verwaltet den Renderaufwand intelligent und unterstützt die Qualitätsprüfung sowie den Datenfl uss vom 3DDepartment zum Compositing. So können wir unsere hausinterne Renderfarm optimal ausnutzen.

DP: Auf welche Art von Projekten haben Sie sich spezialisiert?
Manuel Casasola Merkle: Aixsponza ist auf Animation und Visual FX spezialisiert. Doch wir sind kein reines VFX-Studio, sondern ein Design- und Produktionsstudio. Wir übernehmen also auch die Konzeptphase, entwerfen und führen Regie. Angesichts immer komplexerer Aufgaben und engerer Budgets ist es von Vorteil, eine komplette Produk tion aus einer Hand anbieten zu können. Die Verbindung von Kreation und Produktion in einem Unternehmen führt zu beeindruckenderen Ergebnissen als die klassische Trennung der Bereiche. Neben den Aufträgen im Feld Werbung und Events bieten wir aber auch klassisches Grafi kdesign an. So konnten wir zum Beispiel das aktuelle Cinema 4D Branding für Maxon realisieren. Obwohl der Schwerpunkt von Aixsponza auf reiner CG-Produktion und Postproduktion liegt, bieten wir auch Mischproduktionen mit Realdreh an, oft in Kooperation mit einer Filmproduktion.

DP: Wer sind Ihre Kunden und Partner?
Manuel Casasola Merkle: Aixsponza konnte sich von Anfang an in der Werbebranche etablieren und arbeitet heute mit vielen großen Werbeagenturen in Deutschland aber auch im Ausland zusammen. Wir betreuen auch Direktkunden, zu denen große Automobilund Industriekonzerne zählen. Besonders spannend ist für Aixsponza die Kooperation mit Peter Clausen Film, die uns die Realisierung zahlreicher Projekte für Infi nity Red Bull Racing ermöglicht hat. Daneben arbeiten wir für Filmproduktionen als CG-Partner oder realisieren die Postproduktion bei Realdreh-Projekten.

DP: Mit welcher Software und Hardware arbeiten Sie im Unternehmen und warum?
Manuel Casasola Merkle: Wir arbeiteten von Anfang an hauptsächlich mit Maxons Cinema 4D. Wir pfl egen eine enge Beziehung zu Maxon, zum einen als Beta-Tester, zum anderen als Redner auf Maxon-Events weltweit. Die Entscheidung für Cinema 4D fi el bei der Gründung von Aixponza ganz selbstverständlich, da wir alle schon vorher hauptsächlich mit Cinema 4D gearbeitet hatten. Erfreulicherweise wuchs die Software parallel mit der Entwicklung unserer Firma und hat so immer alle Bedürfnisse aufs Beste erfüllen können. Heute sind wir sehr glücklich über die Entscheidung, auf C4D gesetzt zu haben, da C4D auf die Projektanforderungen und Größe von Aixsponza perfekt abgestimmt ist und wir mit Maxon einen Softwarepartner gefunden haben, der zuverlässig und berechenbar ist. Die Möglichkeiten von Cinema 4D erweitern wir laufend mittels Inhouse-Tools. Dazu beschäftigen wir einen Entwickler fest. Natürlich haben wir die Pipeline außerdem durch viele andere Produkte ergänzt, um spezielle Bedürfnisse abzudecken. So kommen ZBrush und 3DCoat, Blender, Maya, XSI, Houdini und RealFlow zum Einsatz, wenn sie für ein Projekt notwendig sind. Als Renderer verwenden wir hauptsächlich V-Ray von Chaos Group. Auch hier verbindet uns eine enge Beziehung mit LaubLab und wir tragen als Beta-Tester zur Weiterentwicklung von Vray4C4D bei. Neuerdings haben wir auch Octane in unser Portfolio aufgenommen, der sich aufgrund seiner Geschwindigkeit sehr gut für einige Projekte eignet. Fürs Compositing kommen AE und Nuke zum Einsatz. Wir verwenden beide Pakete, da sie in verschiedenen Projekten ihre Stärken unterschiedlich gut ausspielen können.

DP: Welche Tools sollten Bewerber beherrschen und über welche Soft Skills verfügen?
Manuel Casasola Merkle: Bewerber sollten in erster Linie gute Gestalter sein, jedoch die technische Seite des 3D-Designs mindestens ebenso gut beherrschen. Zwar suchen wir immer auch nach Spezialisten, doch für eine Festanstellung sind eher Generalisten mit möglichst breit gefächerten Fähigkeiten gefragt, die sich fl exibel unterschiedlicher Projekte annehmen können. Möglichst gute und tiefgehende Kenntnisse in Cinema 4D und V-Ray sind Voraussetzung. Unsere Mitarbeiter sollten teamfähig sein und strukturiert und selbstständig arbeiten können. Die Fähigkeit, Kritik anzunehmen, aber auch Kritik zu üben, ist willkommen.

DP: Wen suchen Sie besonders dringend?
Manuel Casasola Merkle: Wir suchen immer Spezialisten, die sich auf Bereiche wie Rigging, Sculpting oder Fluids spezialisiert haben, da wir aufgrund unserer Größe solche Spezialisten nicht fest im Team haben. Am dringendsten Suchen wir 3D-Artists, die sowohl gestalterisch stark als auch technisch versiert sind. Grundsätzlich sind wir immer an neuen Kontakten interessiert, auch wenn es gerade nicht um ein aktuelles Projekt geht. DP: Wohin sollte man eine Bewerbung richten? Manuel Casasola Merkle: Wir suchen immer talentierte Artists, um unser Freelance-Netzwerk zu erweitern. Unsere Jobangebote finden sich auf www.aixsponza.com/company. Bewerbungen bitte an jobs@aixsponza.com.

DP: Wie ist es, für Aixsponza zu arbeiten?
Manuel Casasola Merkle: Wir bieten eine familiäre Atmosphäre und die Möglichkeit, viel zu lernen. Arbeiten bei Aixsponza heißt: kurze Wege, direkte Kontakte, fl ache Hierarchie. Bei Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, ein Projekt von Anfang bis Ende zu betreuen, die Aufgabenfelder sind vielfältig und abwechslungsreich. Auf die persönlichen Vorlieben unserer Mitarbeiter gehen wir gerne ein, wann immer es möglich ist. Unsere Arbeitszeiten sind, so weit es die Projekte zulassen, familien- und freizeitfreundlich. Arbeitsanfang und Ende sind flexibel, um eine Kernarbeitszeit zu legen, und sollte es projektbedingt später werden oder sogar einmal das Wochenende daran glauben müssen, sorgen wir für einen Ausgleich. Die zeitnahe Bezahlung unserer Freelancer ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

DP: Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es für Artists?
Manuel Casasola Merkle: Weiterbildung ist uns sehr wichtig, da sich die Software und die gesamte Branche ständig  weiterentwickeln. Die gängigen Tutorial-Portale wie DigitalTutors oder CMIVFX stehen all unseren Mitarbeitern zur Verfügung. Darüber hinaus
finden inhouse Mitarbeiterschulungen zu unterschiedlichen Themen statt. Auch wer bei Aixsponza als Praktikant anfängt, kann sofort (im Rahmen seiner Möglichkeiten) in kommerziellen Projekten mitarbeiten und sich weiterbilden. Die meisten unserer ehemaligen Praktikanten arbeiten heute als Freelancer für uns und stehen nach wie vor in einem engen Kontakt zu Aixsponza. Der Beta-Test für zahlreiche Produkte trägt dazu bei, dass die Mitarbeiter immer auf dem aktuellen Stand der Technik sind. Einzelne Mitarbeiter nehmen immer wieder an Konferenzen wie der FMX oder Siggraph teil, um sich mit der Community kurzzuschließen und auf den neuesten Stand zu bringen.

DP: Welches waren besonders tolle Projekte in jüngster Zeit?
Manuel Casasola Merkle: Im März hat Aixsponza für Peter Clausen Film den „Infinity Red Bull Racing Transforming Formula One: 014 Rules Explained“-Film fertiggestellt, in dem wir die Regeländerungen in der Formel 1 in dieser Saison anhand eines gläsernen Rennwagens darstellen. Dieses Projekt hat sehr viel Spaß gemacht, da es sowohl eine gestalterische als auch produktionstechnische Herausforderung war. Über drei Minuten
fotorealistisches 3D wurden gerendert. Hier konnten alle Disziplinen zeigen, was sie können: Car Rigging, Driver Rigging, Workflow, Shading, Layout, Modeling, CAD, Edit, Composite.

Hier das Video, mit dem Aixsponza die animago-Trophäe mit nach München nehmen durfte:

Kurz zuvor haben wir mit dem Komplett-Package für MTV Buzz ein designlastiges Projekt betreut und erfolgreich abgeschlossen, das uns auch vor technische Herausforderungen gestellt hat.

DP: Wie sieht die Zukunft von Aixsponza aus und welche Projekte stehen an?
Manuel Casasola Merkle: In Zukunft werden wir versuchen, weiter unsere Vision von kreativen CG-Projekten zu verwirklichen und neue interessante Filme zu realisieren. Auch den Bereich Weiterbildung wollen wir ausbauen – auch über die Firmengrenzen hinaus. Im Moment gibt es Überlegungen, öffentliche Schulungen zum Thema Cinema 4D, V-Ray
und Workflow unter dem Label „AixCademy“ anzubieten. Seit Juli 2014 teilen wir unsere Erfahrungen aus dem Produktionsalltag aus erster Hand mit Interessierten.

Interview von Sabine Hatzfeld

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