Making-of „Iron Sky“-Trailer

Auf der animago CONFERENCE wird Head of 3D Tonio Freitag von Pixomondo über die VFX des Trailers zum zweiten "Iron Sky"-Teil sprechen. Als Vorbereitung: Unser Interview mit VFX-Supervisor Thilo Ewers zu dem Projekt .
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Dino-Kran

Neben Pixomondo, die „Iron Sky: The Coming Race“ bearbeiten, der 2016 in den Kinos starten wird, besucht auch Troll VFX aus Finnland den diesjährigen animago. CEO Antti Kulmala und Visual Effects Supervisor Samuli Torssonen erklären, wie der erste „Iron Sky“ finanziert und mit dem vorhandenen Budget realisiert werden konnte. Es gibt noch Tickets für den animago 2015, hier können Sie eins bestellen.

Das komplette Interview mit Thilo Ewers finden Sie in der DP 03 : 2015.

Dino im eisernen Himmel

von Mirja Fürst

„Iron Sky“ hatte schon vor seinem Kinostart 2O12 eine so große Fangemeinde, dass der Film zu einem beachtlichen Teil über Crowdfunding finanziert werden konnte. 2O16 wird der zweite Teil ins Kino kommen, für den Pixomondo schon jetzt einen aufwendigen Teaser-Trailer mit Dinosaurier und vielen CG-Kulissen realisiert hat. Mit seinem satirischen, bitterbösen Humor und der von Nazi-Esoteriker-Theorien inspirierten Handlung ist „Iron Sky“ sicher nicht jedermanns Geschmack. Aber darüber hinaus war das optische VFX-Ergebnis von Teil 1, das mit einem Gesamtbudget von rund 7,5 Millionen Euro gestemmt wurde, für eine Indie-Filmproduktion sehr beeindruckend. Drei finnische Studios, Blind Spot Pictures, Energia VFX und Troll VFX realisierten damals die Nazi-Mondstation-Illusion sowie die weiteren Set Extensions des ersten Teils.

Zweite Runde

Da der zweite Teil von „Iron Sky“ von den visuellen Effekten her den Vorgänger toppen soll, gab Regisseur Timo Vuorensola das Projekt diesmal in eine einzelne Studio-Hand und entschied sich für Pixomondo. Der fast vier Minuten lange Teaser zu „Iron Sky: The Coming Race“ schlägt eine Handlungsbrücke zwischen den beiden Filmen. Mrs. President trifft in diesem einen Dinosaurier, auf dem ein alter Bekannter des Naziregimes reitet. Nicht wie angenommen tot, sondern quicklebendig:

Nach dem ersten Teaser wurden noch zwei kurze veröffentlicht, einer mit einem schießwütigen Jesus Christus:

Und einem tanzenden Vladimir Putin:

Neben einem neuem VFX-Team setzt der zweite Teil auf viele bewährte Faktoren des ersten Films: Udo Kier wird wieder als Möchtegern-Führer Wolfgang Kortzfleisch dabei sein, das Projekt erneut durch Crowdfunding-Finanzierung unterstützt und die slowenische Band Laibach den Soundtrack des Films beisteuern.

ThiloEwersVFX-Supervisor Thilo Ewers erklärte im DP-Interview, wie der Teaser entstanden ist und sprach über einige Dinge, die für den Feature-Film anstehen.

Alle Detail- und Exklusiv-Informationen zu dem Projekt wird Tonio Freitag auf der animago-Konferenz in seinem Vortrag verraten.

DP: Wie habt ihr den Auftrag für die VFX-Arbeiten des zweiten Teils von „Iron Sky“ erhalten?
Thilo Ewers: Der VFX-Workflow sollte diesmal organisierter ablaufen als beim ersten Teil, da die visuellen Effekte für die Geschichte wesentlich anspruchsvoller sind. Das Produktionsteam wollte sicher sein, dass das gewählte Studio in der Lage ist, alle Effekte selber zu realisieren und Pixomondo konnte das garantieren.

DP: Wie lange wart ihr insgesamt mit dem Trailer beschäftigt?
Thilo Ewers: Der Dreh war Ende Februar 2014 und im September haben wir das Projekt abgeschlossen. In diesen insgesamt sechs Monaten haben wir noch viele Konzepte gebaut, Vorbereitungen getroffen und geschnitten – in dieser Phase konnten wir frei handeln, deshalb war das eine sehr interessante und spaßige Zeit für uns. Die eigentliche Postproduktionszeit bei Pixomondo hat etwa drei Monate gedauert.

DP: Wie viele Artists haben daran gearbeitet?
Thilo Ewers: Insgesamt etwa 30. Dabei war der Workflow klar Asset-basiert aufgeteilt: Der eine Artist hat nur an dem Dinosaurier-Asset gearbeitet, der nächste nur an einem bestimmten Environment und so weiter. Zum Schluss haben noch vier Comper das Projekt fertiggestellt.

DP: Wie war eure Pipeline aufgebaut?
Thilo Ewers: So wie für alle unsere Projekte: Wir haben den T-Rex-Saurier in ZBrush gemodelt und mit Mari texturiert. Washington haben wir mit 3ds Max gemodelt und noch weitere Effekte mit Fume und ThinkingParticles umgesetzt. Fast alles für das Projekt haben wir in 3ds Max realisiert und in V-Ray gerendert.

DP: Welche Vorbereitungen habt ihr vor dem Greenscreen-Dreh getroffen?
Thilo Ewers: Die Aufnahme mit dem T-Rex war einer der kompliziertesten Faktoren beim Dreh, da die Szene mit Mrs. President vor dem Dinosaurier stehend in einem Take gedreht wurde und die Größenmaßstäbe deshalb realistisch sein mussten. Damit wir die Rückenhöhe des Tiers vorab bestimmen konnten, lieferten wir vor dem Dreh ein Standard-Dinosaurier-Modell, das wir noch von einem anderen Projekt übrig hatten. Den Hitler-Darsteller setzten wir der Rückenhöhe entsprechend – also etwa fünf Meter hoch – auf einen Techno-Kran. Diesen schwenkten wir während des Drehs hin und her, um die Bewegungen des T-Rex-Sauriers zu simulieren.

DP: Was musstet ihr im Rig beachten, um die unnatürliche Gruß-Bewegung des Dinosauriers zu realisieren?
Thilo Ewers: Für sein Rig haben wir diverse Wissenschaftsbücher durchstöbert und eingescannt, so erhielten wir ein realistisches T-Rex-Skelett. Seine Schulter musste für die Grußbewegung voll funktionsfähig sein. Das war anfangs etwas schwierig, weil das Skelett keine richtige Schulter hat, sondern ein Schulterblättchen, das eher wie ein Gitarrenplektron aussieht. Für diesen verkümmerten Knochen haben wir noch zusätzliche Elemente gebaut, damit sich der Arm drehen ließ. Unser Lead-Animator hatte viel Spaß daran, den Dino zu animieren, weil man so eine Möglichkeit nicht allzu oft bekommt. Wir wollten die Bewegungen des T-Rex auch nicht übertrieben karikieren, er wirkt ja sowieso schon durch seine Grußhandlung absurd genug.

DP: Wie habt ihr die Illusion von dem massiven Gewicht des Tieres hinbekommen?
Thilo Ewers: Indem wir ihn das Gewicht von dem rechten auf den linken Fuß verlagern ließen. Das leichte Wabbeln des Bauches hat den Effekt noch verstärkt. Außerdem haben wir noch Muskelanspannung in seine Wade und seinen Oberschenkel gebracht, sodass die Illusion seines enormen Gewichts am Ende gut funktionierte.

DP: Im Teaser sieht man eine Vogelperspektive auf eine Schneelandschaft. Habt ihr dafür auch irgendetwas gedreht?
Thilo Ewers: Ja, Mrs. President auf einer Rodelpiste in Finnland mit einem Oktokopter. In der Postproduktion haben wir für die Szene ein bisschen echten Schnee um sie herum belassen und den Rest des Environments mit Matte Paintings, 3D-Elementen sowie Schnee-Effekten und Footage aufgefüllt.

DP: Wie wurde der kleine Schnatter-Pinguin in dieser Szene realisiert?
Thilo Ewers: Der Pinguin hat anfangs im Team sehr polarisiert: Timo wollte ihn unbedingt in der Szene haben, wir waren aber der Meinung, dass wir ihn nicht zwingend brauchen. Final betrachtet passt er aber doch ganz lustig ins Gesamtbild. Er ist komplett CG-gemodelt mit ein bisschen Fell. Es war nicht nötig, ihn extrem detailliert auszuarbeiten, weil man durch das Schneegestöberin der Situation eh nicht mehr so viel von ihm sieht.

DP: Welche großen CG-Sets habt ihr gebaut?
Thilo Ewers: Die erste CG-Kulisse war das Weiße Haus, das wir für mehrere Shots nutzen konnten. Die Stadt Washington, die wir nur für einen Shot brauchten, mussten wir dennoch komplett bauen, weil es kein Footage von der Ecke der Stadt und der Kamerafahrt gab, die wir benötigten. Darüber hinaus haben wir zwei Versionen der Eiswüste realisiert sowie eine Katakombe, die wir ebenfalls mehrmals verwenden konnten. Das letzte CG-Set war der Mittelpunkt der hohlen Erde, das in erster Linie aus einem gigantischen Matte Painting bestand, welches wir auf einzelne Geometrieteile rückprojiziert haben. Das letzte große Set war die Laufumgebung des Dinos.

DP: Gab es denn überhaupt real gedrehte Szenen?
Thilo Ewers: Nur ein oder zwei Shots: Wenn Mrs. President die Treppe herunterläuft und die Tür öffnet – das war ein echter Kellerraum im Studio Babelsberg, der eine schöne Stahltür hatte. Aber diese Tür ist tatsächlich neben den Schauspielern das einzige reale Element des Teasers. Wir haben uns für die Full-CG-Lösung entschieden, weil wir keinen Location-Wechsel haben wollten, denn das wäre in zwei Drehtagen nicht machbar gewesen.

trl_070_comp_pn.1081DP: Das kling für einen so kurzen Trailer sehr aufwendig …
Thilo Ewers: Ja, das war auch das Hauptthema und die größte Herausforderung bei dem Projekt. Jeder Shot war mehr oder minder etwas anderes …

DP: Könnt ihr denn einige der Teaser-Assets im zweiten Teil des Films nutzen?
Thilo Ewers: Den T-Rex auf jeden Fall. An ihm werden wir für den Film noch einige Anpassungen vornehmen, aber er kommt wieder zum Einsatz. Washington wird zwar auch noch einmal auftauchen, aber in einer kaputteren Form. Außer dem Dino und der hohlen Erde sind die anderen Assets für den zweiten Film nicht mehr von Bedeutung.

trl_040_comp_dbt.1147 AtompilzDP: Die Fortsetzung wird circa fünf Millionen US-Dollar mehr Budget haben als der erste Film. Da der zweite Teil CG- und VFX-lastiger wird, sind die Produktionsvorgaben für euch mit dem zur Verfügung stehenden Budget realisierbar?
Thilo Ewers: Es sollte in dem Budgetrahmen stemmbar sein. Wir haben die vierte Version des Buches vorliegen und die VFX-Anteile sind schon weniger geworden. Die kurze Laufzeit von circa 90 Minuten hilft auch. Wichtig ist die Planung, was sich echt drehen lässt und was nicht. Ich bin diesbezüglich der Meinung, dass man in einigen Fällen ein funktionierendes Real-Set suchen sollte, um die CG-Sets mit mehr Zeit und Budget realisieren zu können. Aber natürlich soll der typische „Iron Sky“-Look auch im zweiten Teil erhalten bleiben.

Sie möchten mehr zu dem Projekt wissen? Ein Studententicket für den animago kostet 48 Euro, ein normales Zwei-Tagestickt gibt es für 98 Euro.

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