Wacom Cintiq Pro 24 – Review

Schon zum Jahresanfang hat Wacom angekündigt, seine c-Reihe (bisher 13 und 16 Zoll – wir berichteten in Heft O2:18) um zwei große Versionen zu erweitern und damit die bisherigen Flaggschiffe Cintiq 22 HD Touch und Cintiq 27 QHD Touch abzulösen. Zusammen mit der neuen Wacom Cintiq Pro Engine, einem optionalen PC-Modul, soll aus dem Tablet ein kompakter, leistungsfähiger Stift-Computer werden. Inzwischen ist zumindest das Gerät mit 24-Zoll-Display erhältlich – erste Eindrücke und Hardware-Tests stellten wir in der letzten Ausgabe vor (zum kostenlosen Download unter download.digitalproduction.com). Wir haben noch einmal einen Blick aus Anwendersicht auf ein solches Tablet mit 4K-Touch-Display geworfen.

Immer noch ziehen viele Artists das analoge Arbeiten mit natürlichen Materialien der digitalen Eingabe über Grafik-Tablets vor – die Macher des Games „Hidden Folks“ schreiben auf ihrer Webseite sogar, dass sie für das Einscannen ihrer Zeichnungen nach einem Scannerdefekt extra den gleichen Low-Budget-Scanner nachkauften, um den bisherigen Look der Bilder zu erhalten. Trotzdem scheinen Grafik-Tablets im Kommen zu sein.
Wer sich für ein Grafik-Tablet entscheidet, steht vor der Qual der Wahl: Es gibt kleine und große Tablets, Stift-Tablets (Eingabe auf der aktiven Zeichenfläche mit visuellem Feedback am Computermonitor), Tablet-Displays (Tablet und Monitor als Kombination – angeschlossen an einen externen PC mit dem Vorteil des direkten Feedbacks beim Zeichnen, Probleme mit der Hand-Auge-Koordination entfallen). Stift-Computer (Tablet-Display und PC als Kombigerät) sind die kompakteste Lösung. Alle Geräteklassen und Größen haben Vor- und Nachteile – je nach Anforderungen z.B. auch an Genauigkeit, Qualität der Darstellung und individuelle Ansprüche des Künstlers. So gibt es Artists, die kleine, preiswerte Geräte auch wegen des geringen Platzbedarfs, der Mobilität, einfacher Anschlussmöglichkeit oder wegen der kurzen Zeichenwege bevorzugen. Für andere kann ein Grafik-Tablet nicht groß genug sein. Für diese Zielgruppe kommen nun Wacom-Geräte mit 24 und 32 Zoll.

Der Platzhirsch bei Grafik-Tablets versucht, mit 4K-Display (Wacom schreibt auf seiner Webseite von einer „hervorragenden Farbleistung von 99% des Adobe-RGB-Farb­raums”), dem Wacom Pro Pen 2 mit über 8.000 Druckstufen und der optionalen Windows-Rechnererweiterung Wacom Cintiq Pro Engine seine Position zu festigen und neue Maßstäbe zu setzen.
In Regionen großformatiger Grafik-Tablets – schon preislich eher für Profianwender – gibt es nicht sehr viele Konkurrenzprodukte (Microsoft Surface Studio, Dell Canvas 27 oder weniger bekannt und noch nicht bei so hoher Bildschirmauflösung angekommen z.B. Geräte der Marken Huion oder XP-Pen).
Während Microsoft mit dem Surface Studio einen (High-End) Komplett-PC mit 28 Zoll Bildschirmdiagonale (4.500 x 3.000 Pixel) bietet, ist das Canvas 27 von Dell ein (beinahe) normales Pen-Display mit QHD-Auflösung und hervorragender Touch-Eingabe, deutlich preiswerter, allerdings nur Windows-Usern vorbehalten.
Ordentlich Platz auf dem Schreibtisch benötigen alle diese Geräte. Reine Grafik-Tablets lassen sich flexibel an verschiedenen Rechnern betreiben und sind nicht so kostenintensiv wie Komplettgeräte, bei denen ein Defekt einer einzigen Komponente dann auch das gesamte System betrifft. Komplettgeräte sind fertige Lösungen ohne viel Kabelsalat und Installationen (wird gern übersehen: Bei hohen Auflösungen der Displays braucht es passende Grafikkarten und Kabelverbindungen zwischen Bildschirm-Tablet und PC). Mit der optionalen PC-Erweiterung, der Wacom Cintiq Pro Engine, wird aus dem Stift-Display eine kompakte Workstation für 2D- und 3D-Grafikanwendungen. Dieser Ansatz ist am flexibelsten – sozusagen modular anpassbar. Allerdings hat er auch seinen Preis.

Serviert – das Tablet

Die technischen Parameter des Wacom Cintiq Pro sind beeindruckend: Bei Abmessungen (hier für das 24-Zoll-Gerät) von ca. 68 x 40 x 5 cm, 7 kg Gewicht ohne separatem Standfuß, nimmt es dann auch meist einen kompletten Arbeitsplatz ein. 4K-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel), 99% Adobe-RGB-Unterstützung, angeraute, matte Glasoberfläche (kaum Spiegelungen und eine Haptik nahe an echtem Papier), großer Blickwinkel (horizontal und vertikal) von 178 Grad.
Der subjektive Eindruck des Displays scheint all diese Angaben zu bestätigen: Das nicht spiegelnde Display ist ausreichend hell, zeigt auch kleinste Details absolut scharf und dank der großen Blickwinkel bleibt auch bei dieser gewaltigen Arbeitsfläche der Durchblick erhalten. Mit der leicht angerauten Glasoberfläche zusammen mit der neuen Stifttechnologie, Pro Pen 2, kommt ein wirklich angenehmes Zeichengefühl auf.

Durch die einblendbare Bildschirmtastatur ist in vielen grafischen Anwendungen der Verzicht auf eine echte Tastatur kein Problem. Für Navigationsfunktionen wie schnelles Skalieren, Verschieben oder Drehen von Zeichenflächen reichen die Funktionen des Touch-Bildschirms. Die Touch-Funktionalität lässt sich mit einem Tipp auf das entsprechende Icon am oberen Tablet-Rand ein- oder abschalten, um unbeabsichtigte Eingaben zu vermeiden. Wacom liefert seine ExpressKey-Fernbedienung mit 17 frei programmierbaren Tasten und Touch-Ring mit (es können bis zu 5 dieser Fernbedienungen für unterschiedliche Anwendungen gleichzeitig angeschlossen werden). Natürlich lässt sich auch eine externe Tastatur nutzen.

Ganz schön empfindlich – Wacom Pro Pen 2

Der Pro Pen 2 punktet mit 8.192 Drucksensitivitätsstufen (viermal druckempfindlicher und viermal genauer als die Stifte der ersten Generation, die aber auch noch von den neuen Tablets erkannt werden), mit Neigungserkennung bis zu 40 Grad in 60 Stufen. Im Test zeigten sich so gut wie keine Verzögerung und Parallaxe (Abstand zwischen Stiftspitze und Cursor). Striche mit extrem variabler Dicke erscheinen deutlich smoother als mit der bisherigen Technik. Einige Anwendungen können auch Rotationen des Stifts erkennen. Dann lassen sich Tools wie flache Pinsel beinahe wie in der Natur drehen, womit man breitere oder schmalere Striche erzeugen kann.

Bei der Stifthalterung setzt Wacom einerseits auf die fest montierbare Halterung, wie sie auch bei den kleineren Tablets der Cintiq-Pro-Reihe zur Anwendung kommt. Zusätzlich gibt es einen neuen Stifthalter. Er ist flach, rund und steht sehr stabil. Er wird außerdem von den magnetischen Rändern des Cintiq gehalten, sodass er nicht rutscht. Allerdings hält er den Stift nicht besonders sicher. Er lässt sich aufschrauben und enthält verschiedene Ersatzspitzen. Ein kleines Loch im Boden dient als Werkzeug zum Wechseln der Stiftspitzen.

Natürlich eine natürliche Oberfläche

Die Oberfläche von Grafik-Tablets – speziell von Stift-Displays – ist ein Thema für sich. Sie sollte möglichst unempfindlich gegen Kratzer und Fingerabdrücke sein, nicht spiegeln, nicht zu glatt und nicht zu rau sein und natürlich so dünn wie möglich, um die Parallaxe gering zu halten.
Beim neuen Cintiq scheint Wacom hier alles richtig gemacht zu haben. Das Gerät erscheint trotz seiner Größe kompakt, das Handling ist Wacom-typisch gut und das Zeichengefühl nahe an dem vom Arbeiten auf echtem Papier.

Wacom Cintiq Pro Engine – mit Integration zur kompakten Workstation

Mit der Cintiq Pro Engine verspricht Wacom, aus dem Cintiq Pro einen leistungsfähigen Komplett-PC zu machen. Die kassettenartige Erweiterung wird mit wenigen Handgriffen (Entfernen der unteren Abdeckung und zweier Kabelhalterungen) an die Unterseite des Tablets gesteckt und mit zwei kleinen Schrauben fixiert – fertig ist die Workstation.
Zum Betrieb sind dann zwei Netzteile erforderlich. Die Rechner-Kassette verdeckt die hinteren Anschlüsse des Tablets. Auch sollten nun die klappbaren Standfüße oder der optional erhältliche Standfuß genutzt werden, da das Gerät sonst auf den Kabeln liegen würde. Die Nutzung als Tablets an einem anderen PC ist im Workstation-Betrieb mit der Pro Engine nicht vorgesehen, so wie die Rechnereinheit auch nur sinnvoll zusammen mit einem Cintiq-Tablet genutzt werden kann.

Die Pro Engine (mit Windows 10 Pro for Workstation) gibt es derzeit in zwei Versionen. Wacom betont, dass beide Versionen VR-fähig sind.
Der Hardware-Test in der letzten Ausgabe zeigte, dass Wacom hier zwar keine Rennmaschine, aber eine solide Workstation für die meisten 2D- und 3D-Anwendungen bietet, die allerdings ihren Preis hat. Im Test zeigte sich dann auch erwartungsgemäß, dass die gebotene Leistung wohl den meisten Ansprüchen (für die Nutzung eines Grafik-Tablets) genügen sollte (wir hatten die Version mit dem Xeon-Prozessor).

Fazit

Zeichnen am PC (oder Mac) wird erst durch ein Grafik-Tablet effektiv. Das Wacom Cintiq Pro 24 ist ein Ausnahmegerät (bis die Version mit 32 Zoll Bildschirmdiagonale verfügbar sein wird). Trotz der großen Zeichenfläche wirkt das Gerät kompakt. Trotzdem füllt es locker einen normalen Schreibtisch.
Die Bildqualität hat im Test absolut überzeugt. Allerdings zeigte sich je nach Grafik- oder Rechneranforderungen ein deutliches Lüftergeräusch (vielleicht auch, weil zum Testzeitpunkt deutlich über 30 Grad am Arbeitsplatz herrschten).
Wenn das Tablet in Verbindung mit dem mitgelieferten neuen Wacom Pro Pen 2 betrieben wird (es akzeptiert auch die Stifte der Vorgängerversion), kann es seine Stärken ausspielen, z.B. beim Zeichnen von Strichen mit extrem variabler Dicke. Die Zeichenfläche mit der angerauten, dünnen Glasoberfläche imitiert das Gefühl, auf natürlichem Papier zu zeichnen. Die extrem hohe Auflösung, die Genauigkeit des Stifts mit über 8.000 Druckstufen, Winkel- und Drehsensorik, die kaum wahrnehmbare Parallaxe sowie die schnelle Übertragung der Signale (so gut wie kein Lag beim Zeichnen) bieten ein sehr angenehmes Zeichengefühl.
Wer die Anschaffung des Wacom Cintiq Pro in Erwägung zieht, sollte schon etwas planen. Das Gerät benötigt Platz, und es müssen passende Anschlussmöglichkeiten der Grafikkarte für die 4K-Auflösung vorhanden sein, wenn es richtig genutzt werden soll (bei Parallelbetrieb mit einem Zweitmonitor sollte auch dieser die 4K-Auflösung unterstützen). Die einblendbare Bildschirmtastatur erübrigt in vielen Fällen den Einsatz einer externen Tastatur (eine externe Tastatur lässt sich nutzen). Das Gerät wird mit einer ExpressKey-Fernbedienung mit 17 frei programmierbaren Tasten und einem Touch-Ring geliefert. Schade ist, dass der überarbeitete Standfuß extra erworben werden muss. Insgesamt überzeugt die Verarbeitung des Geräts, wie bei Wacom üblich. Der neue Stifthalter steht zwar bombenfest auf den Seitenrändern des Tablets, bei Schrägstellung des Gerätes rutscht aber der Stift leicht aus der Halterung.
In Verbindung mit der Wacom Cintiq Pro Engine wird aus dem Tablet eine kompakte PC-Workstation – die praktischste, aber auch teuerste Lösung, die für die meisten Grafikanwendungen ausreichend Leistung bieten sollte. Talent und die Mühen beim Zeichnen kann einem ein Grafik-Tablet nicht abnehmen. Entsprechende Software vorausgesetzt, kann ein solches Werkzeug aber den Spaß an der Arbeit und die Produktivität enorm steigern. Das Cintiq Pro – zusammen mit der integrierten Rechnereinheit – kann zurzeit als „State of the Art“ im Bereich der Grafik-Tablets bezeichnet werden.

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