Blackmagic Design: DaVinci Resolve und Fusion werden 16

Bei jungen Leuten gilt 16 ja als ein recht problematisches Alter, aber die Wurzeln von Resolve und Fusion reichen weit ins letzte Jahrhundert zurück und da darf man eine gewisse Reife erwarten. Gilt das auch für eine Public Beta?
Blackmagic Design: DaVinci Resolve und Fusion werden 16
Blackmagic Design: DaVinci Resolve und Fusion werden 16

Zumindest steht bei der neuen Version nicht mehr die Integration weiterer Zukäufe im Vordergrund, sondern deren Konsolidierung und die Konkurrenzfähigkeit in den Bereichen Schnitt und VFX.

Aufgeholt

Zu den wichtigsten Kritikpunkten seitens umstiegswilliger User von Adobes Videoprogrammen gehörten die Festlegung auf eine feste Bildfrequenz für jedes Projekt, das Fehlen von Einstellungsebenen und das eingeschränkte Keyframing für Filter und Effekte. In der 16 werden einige der lang gehegten Wünsche endlich wahr. Zwar ist eine Time­line nach wie vor auf eine feste Bildfrequenz festgelegt, sobald sie Videomaterial enthält, alles andere ist aber nun auch nachträglich änderbar. Vor allem kann man innerhalb eines Projektes Timelines mit verschiedenen Bildraten mischen und letztlich dann in einer übergeordneten Timeline zusammenfügen. Die einzelnen Timelines dürfen sich auch in der Auflösung, Skalierung und der Einstellung für externe Monitore unterscheiden. Bei der Ausgabe erfolgt eine Warnung, falls eine höhere Auflösung eingestellt wurde als in den Timelines. Die Umrechnung der Bildfrequenzen erfolgt dabei mit der jeweils für das Projekt eingestellten Methode, von der Bildwiederholung bis zum Optical Flow.

Auf Einstellungsebenen dürften potenzielle Umsteiger noch gewartet haben.
Auf Einstellungsebenen dürften potenzielle Umsteiger noch gewartet haben.

Einstellungsebenen finden sich jetzt als Adjustment Clips unter den hauseigenen Effekten, sie erlauben in der Edit Page die Anwendung der Funktionen im Inspektor, von Filtern und Effekten sowie deren Steuerung mit Keyframes über einen beliebigen Bereich der darunterliegenden Clips hinweg. Passend hierzu kann man nun auch Loops über mehrere Clips hinweg definieren und abspielen. Keyframes für Effekte und Filter – auch für OFX von Drittherstellern – werden nun im Keyframe-Editor der Seite Color angezeigt. Endlich gibt es auch Bezierkurven für Positionsanimationen, aber die funktionieren noch nicht perfekt in der Beta, gelegentlich gab es damit sogar Abstürze.

Und schließlich wurde auch die Funktion eingeführt, die meist als Smart Rendering bezeichnet wird. Sie findet sich unter den Advanced Settings im Ausgabemodul als „Bypass re-encode when possible“. Wenn das aktiviert ist, prüft das Programm, ob der Quell-Codec in jeder Hinsicht mit dem Ausgabeformat übereinstimmt und keine Veränderungen am Clip vorgenommen wurden. Dann erfolgt keine erneute Kompression. Letzteres ist sicherlich die am wenigsten wichtige unter diesen Neuheiten, denn bei einem Programm mit so gutem Color Grading wird man selten einen Clip ganz unangetastet lassen. Kompression und Dekompression von H.264 und H.265 in den gängigsten Formaten werden von der Studioversion nun auch auf PCs mit AMD-Grafikkarten per Hardware unterstützt. Auf dem Mac wurde das Tempo für diese Formate verbessert.

Endlich gibt es auch Funktionskurven für die Position – noch etwas unfertig in der Beta.
Endlich gibt es auch Funktionskurven für die Position – noch etwas unfertig in der Beta.

Schneller Schnitt

Ganz neu ist die Seite Cut, wo auf die Funktionsfülle von Edit verzichtet wird, um unter Zeitdruck schnell einfache Schnittarbeiten erledigen zu können, z.B. für News, eilige Commercials oder nicht live gesendete Shows. Automatiken erkennen, was der User vermutlich gerade vorhatte. Ein typisches Beispiel: Wer hat in Edit noch nie einen Clip eingefügt, ohne dass die Magnetfunktion eingeschaltet war und der Cursor exakt auf der richtigen Position stand? Eben. Später sucht man dann mühsam nach den wenigen verbliebenen, kurz aufblitzenden Bildern. Bei Cut wird per Smart Insert in solchen Fällen einfach der nächste vorhandene Schnitt als vermutliches Ziel für das Einfügen angenommen. Weitere Automatiken setzen bei Append voraus, dass am Ende angefügt werden soll oder dass bei Overwrite in der Regel eine Anpassung der Dauer erwünscht ist. Match Overwrite setzt einen Clip parallel auf die obere Spur, was aber einen übereinstimmenden Timecode erfordert.

Es gibt nur noch einen Viewer, der automatisch zwischen Quellen und Zeitleisten umschaltet. In einem dritten Modus zeigt er automatisch sämtliches Rohmaterial als virtuelles Videotape, das man zur Sichtung schnell durchspulen kann, anstatt jeden Clip im Bin einzeln anwählen zu müssen. Die Reihenfolge entspricht dabei der Sortierung im Bin, und ein im Viewer aktivierter Clip wird auch im Bin angewählt. Lässt man dieses virtuelle Band einfach nur abspielen, läuft es automatisch bei kurzen Einstellungen langsamer und bei längeren schneller. Das scheint auf den ersten Blick banal, aber es erleichtert den schnellen Überblick über sämtliche Aufnahmen erheblich. Falls im Rohmaterial schon In und Out gesetzt wurden, wird nur diese Auswahl in das virtuelle Tape übernommen. Fehlendes Rohmaterial kann ohne Umweg über Media direkt importiert werden. Für Effekte kann der Suchbegriff hier sofort eingegeben werden – warum braucht man dazu in Edit und Color immer noch einen zusätzlichen Mausklick?

Die neue Seite Cut ist ganz auf den schnellen Schnitt ausgerichtet.
Die neue Seite Cut ist ganz auf den schnellen Schnitt ausgerichtet.

Dem Überblick dienen auch die ständig angezeigten zwei Zeitleisten: Die obere zeigt immer den gesamten Schnitt, die untere eine eingezoomte Version für präzises Arbeiten. In der unteren bewegt sich das Video unter einem feststehenden Cursor. Das Scrollen mit einem Trackpad oder einer Magic Mouse ist dabei abhängig von der Geschwindigkeit, mit der man schiebt, so wie man es vom Handy oder Tablet kennt. Selbstverständlich sind die beiden Positionen gekoppelt und in beiden Zeitleisten ist Scrubbing oder Springen möglich. Clips können in beiden Zeitleisten angefasst und in die jeweils andere gezogen werden. Wer damit eine Weile gearbeitet hat, stellt verblüfft fest, dass beim Schnitt nicht mehr ständig ein- und ausgezoomt wird, z.B. um einen weiter entfernten Clip neu zu positionieren, und wie viel Zeit das tatsächlich sparen kann. Eine simple Idee, auf die man auch schon früher hätte kommen können. Beim Trimmen wird eine dritte Version unter dem Viewer aufgemacht, in der einzelbildweise gearbeitet werden kann. Man hat also bei Bedarf ganz ohne eigenes Zutun drei Zoomlevel. Zusätzlich erscheint unter dem Quellfenster ein sehr präziser Audio-Controller, falls eine Tonspur vorhanden ist. Die Sprachverständlichkeit beim Scrubbing wurde verbessert, sodass Schnittpunkte insbesondere bei Dialogen leichter gefunden werden.

Eine virtuelle Bandmaschine erlaubt die schnelle Sichtung des Rohmaterials.
Eine virtuelle Bandmaschine erlaubt die schnelle Sichtung des Rohmaterials.

Einen Inspektor gibt es hier nicht, man hat unmittelbaren Zugriff auf die wichtigsten Werkzeuge über Icons, eine direkte Auswahl gängiger Überblendungen an Schnitten und per Rechtsklick in die untere Timeline ein schnelles Auswahlwerkzeug. Zu den direkt zugänglichen Werkzeugen gehören hier auch die Stabilisierung und der Ausgleich von Verzeichnungen von Objektiven, die in der 16 bei Edit im Inspektor ebenfalls auftauchen und mehr Einstellmöglichkeiten bieten. Die Nutzeroberfläche von Cut ist dabei gleichzeitig sehr kompakt und zielt offensichtlich auch auf die Nutzung mit Laptops bei begrenzter Bildschirmauflösung. Selbst die Icons zum Wechseln der Modi ganz unten können unter „Show Page Navigation“ im Menü Workspace ausgeblendet werden. Nach etwas Eingewöhnung wirkt das Arbeiten mit Cut auf einem modernen Laptop mit gutem Trackpad sehr angenehm.

Das Ergebnis eines derart flotten Schnitts (oder eines beliebigen Teils davon) kann schließlich ohne den Umweg über Deliver mit „Quick Export“ gleich in gängigen Formaten ausgegeben und zu Vimeo, Youtube und jetzt auch zur vollständig integrierten Profi-Plattform Frame.io hochgeladen werden. Dort werden auch Marker und Kommentare übertragen und Live-Nachrichten ausgetauscht, ohne Resolve zu verlassen. Leider wird in Quick Export auf dem Mac nicht DNxHR als Alternative zu ProRes angeboten. Außerdem geschieht der Export nicht im Hintergrund, sondern Resolve ist solange blockiert. Beim Rendering kann man das noch verstehen, solange der Rechner keine sehr üppige Ausstattung hat. Aber es erscheint unsinnig, dass auch auf den Upload zu einer der Videoplattformen gewartet werden muss, bevor man weiterarbeiten kann. Insbesondere dann, wenn man in einer deutschen Innenstadt keine richtig schnelle Leitung bekommt.

Die Gesichtserkennung basiert auf der neuen Neural Engine und bietet die automatische Erstellung passender Bins.
Die Gesichtserkennung basiert auf der neuen Neural Engine und bietet die automatische Erstellung passender Bins.

Neurale Filter?

Unter neuronalen Netzen versteht man eigentlich lernfähige Computersysteme. Bei Resolve 16 taucht der Begriff (neural im Englischen) mehrfach als „DaVinci Neural Engine“ im Kontext neuer Filter und Funktionen auf, ohne dass ersichtlich würde, wie denn das ggf. dabei Gelernte beim Wechsel zwischen Projekten oder gar Arbeitsplätzen auch behalten werden soll. Ich würde den Begriff daher eher als Marketing-Wortgeklingel im Kontext des Artificial-Intelligence-Hypes verbuchen, ohne damit die entsprechenden Funktionen abwerten zu wollen. Eine Funktion, die auf diese Engine zurückgreift, ist People zur Erkennung von Personen in Clips. Das funktioniert bereits recht gut, solange diese hinreichend frontal zur Kamera stehen und nicht die Hand vor das Gesicht halten. Hat man ihnen erst einmal Namen gegeben, kann Resolve 16 sie automatisch in Smart Bins sortieren. Auch Schlüsselworte und andere Metadaten können nun auf Wunsch für die automatische Erstellung von Bins genutzt werden.

Zu den neuronalen Filtern gehört auch Stylize, das Cartoon-­Looks generiert.
Zu den neuronalen Filtern gehört auch Stylize, das Cartoon-­Looks generiert.

Auch das bereits bekannte SuperScale soll nun auf diese Engine zurückgreifen, und es ist in der Tat sehr viel schneller geworden: Das Hochskalieren von HD zu UHD lief auf dem Testrechner bisher mit etwa 6 fps, in der neuen Version schafft SuperScale das mit knapp 25 fps nahezu in Echtzeit. Das ist sehr hilfreich, denn SuperScale kann nun neben dem Skalieren einzelner Clips auch pauschal bei der Ausgabe und beim Rendern aktiviert werden, wenn in der finalen Timeline Material mit unzureichender Auflösung benutzt wurde. Auf diese Weise kann ein Clip über seine native Auflösung hinaus beim Zoomen oder Verschieben eingesetzt werden. Auch Auto Color und Shot Match setzen nun auf diese Engine. In der Tat sind die Ergebnisse meist besser als beim Vorgänger, ohne deshalb erfahrene Koloristen oder auch nur 3D-LUT-Creator (s. DP 03:19) beim Matching ersetzen zu können.

Weniger nützlich zeigt sich das neue Speed Warp, das als zusätzliche Option bei der Bewegungserkennung für Optical Flow angeboten wird und ebenfalls neuronal sein soll. Für die Geschwindigkeitsänderung eines Clips mit 20 Sekunden brauchte unser Rechner mit der besten bisherigen Einstellung (Enhanced better) 40 Sekunden, mit Speed Warp dagegen über 15 Minuten. Die Ergebnisse waren, insbesondere bei künstlicher Zeitlupe, nicht gerade um Welten besser. Zwar sind je nach Motiv Vorteile erkennbar, vor allem bei der Trennung bewegter Elemente vom Hintergrund, aber die zeigen sich auch bei Twixtor Pro – das braucht für die gleiche Aufgabe nur etwa anderthalb Minuten. Selbst wenn Speed Warp in künftigen Versionen deutlich schneller werden sollte, dürfte es in erster Linie bei der Anpassung verschiedener Bildfrequenzen nützlich sein. Für Slow-Motion kommt die Konkurrenz aus dem eigenen Hause: Echte Zeitlupe aus einer Kamera wie der neuen Generation der Ursa Mini Pro ist jedem Algorithmus immer noch weit überlegen.

Weniger perfekte Objektive lassen sich hier korrigieren, aber auch simulieren.
Weniger perfekte Objektive lassen sich hier korrigieren, aber auch simulieren.

Fusion 16

Schneller und besser geworden ist dagegen das Tracking in Fusion, sowohl beim 3D-Kameratracking als auch beim planaren Tracker. Der planare Tracker braucht für unsere Testsequenz in der alten Version eine Minute und 36 Sekunden, in Version 16 nur noch 21 Sekunden bei eher noch besserer Präzision. Das 3D-Tracking einer entsprechenden Testszene ohne manuelle Eingriffe wurde nicht im gleichen Maße schneller, aber auch hier verringerte sich der Wert für die Pixelabweichungen. Naturgemäß ist das 3D-Tracking extrem vom Bildinhalt und von manueller Justage der Einstellungen abhängig, sodass die Ergebnisse stark schwanken können. Hilfreich ist auf jeden Fall, dass Verzeichnungen des Objektivs nun berücksichtigt werden können.

Während man bisher in vielen Fällen die noch recht dürftige Stabilität der integrierten Version von Fusion durch Abschalten der GPU-Beschleunigung verbessern konnte, hat sich auf dem Gebiet am meisten getan. Vieles, so praktisch alle 3D-Funktionen, temporalen Effekte, vektorbasierte Bewegungsunschärfe, Splitter / Combiner, Polygon- und Bitmap-Masken sowie die oft kritisierten Titelwerkzeuge in Fusion nutzen nun die GPU für besseres Tempo und mehr Stabilität. In 3D wird die visuelle Qualität durch mehrfaches Sampling verbessert.

Intensiv gearbeitet wurde an Caching und Speicherverwaltung: Auch wenn Fusion weiterhin von üppigem RAM profitiert, ist die integrierte Version bei weniger Speicher doch nicht mehr so instabil. Das heißt aber bei Weitem noch nicht, dass Fusion 16 eine besonders schnelle GPU so effizient wie Resolve nutzt. Ein Rechner mit vielen potenten CPU-Kernen kann je nach den in einer Komposition genutzten Funktionen weiterhin gut mithalten oder sogar schneller sein, und mehr als eine GPU kann Fusion bisher noch gar nicht nutzen.

Die runderneuerten Scopes sind schneller, präziser und bieten mehr Informationen.
Die runderneuerten Scopes sind schneller, präziser und bieten mehr Informationen.

Das Erscheinungsbild der separaten Version wurde der integrierten angepasst, aber nicht alle erfahrenen User dürften über die Ikonisierung, die Platzverschwendung durch deren Balken und das wesentlich weniger flexible Layout der Fenster glücklich sein. Zur Angleichung macht Fusion einen großen Sprung von 9 auf 16. Der bisherige Dongle für Resolve aktiviert in der Beta auch die Studioversion von Fusion, während ein kostenloses Fusion 16 zumindest im Beta-Programm gar nicht auftaucht. Da darf man schon vermuten, dass die separate Version irgendwann eingestellt wird, wenn Blackmagic die integrierte Fassung für hinreichend ausgereift erachtet.

Übrigens sind die PDF-Handbücher zwar schon mit Version 16 benannt, aber dort finden sich derzeit noch keine neuen Informationen. Allein ein separates Dokument namens „DaVinci Resolve 16 New Features Guide“ hilft beim Experimentieren, aber beantwortet bei Weitem nicht alle Fragen, schon gar nicht zu Fusion 16. Und für die Selbermacher: OpenCL Fuses müssen umgeschrieben werden auf die neue DCTL-Sprache, die eine einheitliche Code-Basis für Metal, CUDA und OpenCL erlaubt (reine Lua-Skripte laufen). Ein neues SDK gibt es noch nicht, deshalb laufen native Plug-ins wie Krokodove oder LitSphere nicht in Fusion 16.

Hilfreich sind auch die zuschaltbaren Histogramme für die Korrekturkurven.
Hilfreich sind auch die zuschaltbaren Histogramme für die Korrekturkurven.

Scopes, Filter und Effekte

Sämtliche technischen Anzeigen wurden massiv überarbeitet. Die Scopes werden jetzt von der GPU unterstützt und beeinträchtigen die flüssige Anzeige im Viewer weit weniger bei verbesserter Darstellung, trotzdem können sie auf optimierte Darstellung oder bessere Geschwindigkeit eingestellt werden. Außerdem lassen sie sich einfärben, und die Darstellung lässt sich mit einem Low-Pass-Filter von Rauschen befreien. Das neue Vektorskop kann separat Lichter, Mitten oder Tiefen anzeigen, wobei sogar der jeweilige Bereich justierbar ist. Wünschenswert wäre da noch, dass man die Bereiche durch mehrfache Anzeige parallel anzeigen könnte. Die Scopes können nun über „Extents“ die Minima und Maxima als Umrisslinie anzeigen. Ganz neu ist eine Darstellung des Farbraums, die endlich Informationen sichtbar macht, nach denen man die Hersteller von Kameras oft vergeblich fragt. In der aktuellen Beta verschwinden die Scopes im schwebenden Fenster noch, wenn man zu Cut wechselt, sie müssen in den anderen Modi erneut aktiviert werden. Neu und nützlich ist auch die Anzeige von unterlegten Histogrammen für die Kurvenmanipulation, die wahlweise die Signalverteilung für das Eingangssignal oder das Ergebnis anzeigen.

Nostalgiker brauchen mit Analog Damage keine zusätzlichen Plug-ins.
Nostalgiker brauchen mit Analog Damage keine zusätzlichen Plug-ins.

Verbessert wurden die Beauty-Retusche und die Gesichtserkennung, aber nach wie vor kann die Maske nicht über die dort angezeigten Stützpunkte manuell korrigiert werden. Der neue Filter Colorize kann zwar nichts, was man nicht auch mit Kurven oder Kanaloperationen erreicht, aber es geht schneller. Auf der neuronalen Maschine basieren sollen auch Stylize und Pencil Sketch, die etliche Cartoon-Effekte von Drittherstellern arbeitslos machen dürften. Zum Verschlechtern von perfektem Digitalmaterial mit Artefakten der analogen Ära muss man dank Analog Damage nicht mehr auf Fremdhersteller ausweichen. Der Dead Pixel Fixer und der Warper erlauben jetzt Point-Keyframes zur Anpassung der Position über die Zeit. Neu ist der Filter Chromatic Aberration für die Korrektur (oder auch Simulation) derartiger Abbildungsfehler von Objektiven, während Chromatic Adaptation für die Anpassung von Lichtspektren und Farbräumen zuständig ist. Vignetten und Schattenwurf werden nun direkt als Filter angeboten und müssen nicht mehr von Hand gebaut werden. Etliche Filter von der Seite Color sind nun auch unter Edit verfügbar, manche auch in Fusion.

Das neue Object Removal hätten wir gerne direkt gegen Mocha Pro (s. DP 06:18) getestet, aber in der Beta konnten wir noch nicht herausfinden, wie man eine externe Clean Plate importiert. Der Platzhirsch Mocha Pro wird aber vermutlich mit Version 16 trotzdem nicht überflüssig. Im Gegenteil: Blackmagic Design erlaubt Entwicklern von OFX-Plug-ins endlich den vollen Zugriff auf alle Einzelbilder des jeweiligen Clips. Damit bringt Mocha Pro als Plug-in das Programm schon jetzt nicht mehr zum Absturz, auch wenn die Entwickler noch ein paar Anpassungen vornehmen müssen. Entsprechend werden bald die bisher seitens Resolve arg eingeschränkten temporalen Effekte aus Sapphire
(s. DP 02:19) zum Laufen gebracht, die Leute von Boris FX sitzen da schon dran.

Die Werkzeuge zur Bearbeitung von Sprachaufnahmen finden sich nun im Dialog Processor.
Die Werkzeuge zur Bearbeitung von Sprachaufnahmen finden sich nun im Dialog Processor.

Fairlight

Die Tonabteilung zeigt Verbesserungen vor allem bei der Automatisierung und bei den Messmethoden, unter anderem mit einer Loudness-History-Kurve; da gibt es keine Ausreden mehr bei falschen Pegeln (genauso wenig wie beim Gamut im Bild mit dem neuen Scope). Die Anzeige lässt sich auf alle wichtigen Standards der Broadcast-Welt einstellen, die zudem auch bei Normalize gewählt werden können. Die Unterstützung beim Austausch mit Pro Tools wurde überarbeitet, im Export ebenso wie beim AAF-Import. Elastic Time erleichtert die Längenanpassung wie z.B. bei der Nachsynchronisierung ohne Tonhöhenänderung, und der Dialog Processor fasst die wichtigsten Werkzeuge zur Verfeinerung von Sprachaufnahmen zusammen. Neu sind zudem die echtzeitfähige Frequenzanalyse und die Phasenmessung für Stereo, erheblich verbessert wurde der Limiter. Die akustische Qualität aller Neuheiten möge allerdings jemand mit goldenen Ohren beurteilen – das ist nicht ganz mein Metier.

Immersive Formate brauchen auch ein neues Interface zur Positionierung.
Immersive Formate brauchen auch ein neues Interface zur Positionierung.

Die Bearbeitung immersiver Audio-Formate wird mit Dolby Atmos, Auro-3D, MPEG-H und SMPTE ST 2098 geboten und mit einem 3D-Panning und dem Spaceview-Scope ergänzt, setzt aber entsprechende I/O-Hardware voraus. Dazu gibt es derzeit erstaunlich wenig Informationen bei Blackmagic: Außer einer kurzen Beschreibung des Fairlight Audio Accelerators findet sich da nur die Aussage, dass dieser in einem Thunderbolt Expander unter MacOS unterstützt werde. Noch ist auch die Foley-Geräuschbibliothek nicht online, die auf der NAB angekündigt wurde. Bedauerlich ist, dass Audio nach wie vor mit maximal 48 kHz exportiert wird (wenn auch mit bis zu 32 Bit). Zumindest ist nichts anderes unter Deliver aufgeführt, obwohl höhere Abtastraten beim Input akzeptiert werden. Selbst wenn den Unterschied zu 96 kHz kaum jemand hören kann, werden höhere Werte halt von manchen Kunden gewünscht und sind für eine eventuelle Weiterbearbeitung auch sinnvoll. Immerhin lassen sich bei der Ausgabe von Timelines mit mehreren Tonspuren alle in Einzeldateien rendern.

Formate und Diverses

Neben ein paar zusätzlichen Formaten und besserer Unterstützung der nötigen Flags für HDR wäre insbesondere die Unterstützung von RAW aus Kameras von Canon und DJI sowie von Arri HDE zu erwähnen. DNxHD/HR versteht Resolve nun auch in unkomprimierter Form. Projekte lassen sich mit Notizen ergänzen, die mit gesichert und an Projektbeteiligte übergeben werden. Beim Teamwork können Projekte nun auch als Read Only definiert werden. Bei Conform oder Color Tracing lassen sich die relevanten Namensteile für Reel (respektive Tape) auf eine kürzere Anzahl von Buchstaben festlegen und eine gewünschte Anzahl von Zeichen kann am Anfang ignoriert werden – das hilft beim Austausch. Die Intelligenz beim Export von Standbildern lässt noch etwas zu wünschen übrig: Zwar merkt Resolve sich nun den letzten Folder, aber immer noch nicht das gewünschte Format. In Color wird jetzt das Keysignal bei der Übergabe zwischen Nodes nicht mehr invertiert, und der neue LUT-Browser bietet eine Vorschau wie bisher schon der für Looks. Zoom und Offset im Viewer können auf Wunsch identisch auf einen externen Monitor übertragen werden, und im Split-View gibt es mehr Kombinationen.

Mocha Pro als Plug-in bringt Resolve nicht mehr zum Absturz.
Mocha Pro als Plug-in bringt Resolve nicht mehr zum Absturz.

Kommentar

Der Cut-Modus, den ich persönlich ja eher Assemble oder Quick Cut genannt hätte, ist eine sehr nützliche Neuerung. Da werden gängige Konventionen aufgegeben, ohne die Nutzer gleich so zu irritieren, wie Apple es seinerzeit mit Final Cut Pro X getan hat. Ansonsten ist schon in der frühen Beta das integrierte Fusion stabiler und Fairlight kompletter geworden. Es gibt insgesamt zahlreiche Verbesserungen im Detail, ohne schon wieder unendlich viel Neues einzubauen. Diese Version setzt eindeutig auf Konsolidierung und schließt in wichtigen Details zur Konkurrenz auf.

Wer die Public Beta testen möchte, sollte aber unbedingt vorher ein Backup ziehen oder eine separate Maschine benutzen – die hat derzeit noch mehr Bugs als jeder Straßenköter.

Kommentar schreiben

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.