Mehr Bildschärfe durch Focus Chart

Damit der Fokus einer Kamera beziehungsweise der Linse am Kamerasystem so akkurat wie nur möglich kalibriert werden kann, werden in der Regel teure und vor allem manuelle Fokus-Chart-Systeme genutzt, für die es auch eine Berechtigung gibt, die je nach Anbieter teilweise sehr empfindlich sind. Für Hobbyfilmer und junge Filmemacher gibt es eine kleine Lösung in App-Form.

Der App Entwickler Distant Blue Mobile Solutions bietet Usern eine App an mit zwei unterschiedlichen Mustern, die beide mit dem Siemensstern versehen sind. So können User auf die Schnelle den Fokusbereich der eigenen Kamera mit dem jeweiligen Objekt abstimmen und müssen noch nicht mal einen Euro dafür bezahlen, da die App kostenfrei für Android und iOS angeboten wird. Ob sich der Einsatz der App lohnt, wird nachfolgend verdeutlicht.

Es muss einen Haken geben, wenn eine App kostenfrei verfügbar ist und keine Werbung darin geschaltet wird, deren Inhalt aus einem Werberevolver stammt. Das könnten User sich beim Einsatz der App Focus Chart fragen. In der Tat gibt es nur eine einzige Werbeanzeige, und die bezieht sich auf ein größeres Produkt des App-Entwicklers, nämlich den Cadrage Directors Viewfinder, ein Werkzeug zur Produktionsplanung, mit dem Geld eingespielt wird. Vorteilhaft ist, dass die Werbung nicht penetrant im Vordergrund steht, sondern nur eine Nebenrolle in der App spielt. Sie taucht quasi beim Durchblättern der Siemenssterne auf und verschwindet aber ebenso schnell wieder.

Solide Basics

Was die App Usern bietet, sind im Grunde zwei hochaufgelöste Charts mit Siemensstern. Einmal bildschirmfüllend und einmal mit weiteren Testmustern um den Siemensstern herum. Seitens der Funktionalität darf der User durch einen Swipe nach links beziehungsweise rechts das Muster wechseln und die App wie gewohnt beenden. Das war es auch schon mit der Funktionalität, man könnte an der Stelle auch von einer soliden Basis sprechen.

Das Focus Chart kann auch geneigt werden, um Front und Back Focus zu kalibrieren. Durch das zusätzliche Detail und ein hochaufgelöstes Tablet-Display wird der Prozess positiv beeinflusst.
Das Focus Chart kann auch geneigt werden, um Front und Back Focus zu kalibrieren. Durch das zusätzliche Detail und ein hochaufgelöstes Tablet-Display wird der Prozess positiv beeinflusst.

Die Tests waren dementsprechend ebenfalls solide, fast schon rudimentär. Es ist wichtig, ein Stativ mit dem entsprechendem Stativkopf nebst Klemme vorrätig zu haben, damit das Tablet – das nicht zu klein ausfallen sollte – in der Klemme fixiert werden kann. Im Idealfall besitzt das Tablet ein hochaufgelöstes Display, eine hohe Helligkeit und guten Kontrast. Natürlich sollte die Touch-Oberfläche gereinigt sein und der Stromsparmodus deaktiviert werden. Dann ist der Weg für eine Kalibrierung geebnet.

Natürlich ist die App nicht so ausgefeilt wie zum Beispiel das Datacolor SpyderLens­Cal Set für 59,99 Euro, aber als kostenlose Lösung hilft sie auf die Schnelle, den Autofokus besser zu kalibrieren. Gerade wenn mehrere Objektwechsel bei einem B-Unit-System durchgeführt werden müssen. Für die Kalibrierung von Front- und Back-Fokus von professionellen Cine-Linsen empfiehlt sich dann aber doch der Umstieg auf zum Beispiel das System von Datacolor.

Nichtsdestotrotz ist die App Focus Chart auf dem eigenen Android- beziehungsweise iOS-Gerät installiert, futtert keinen Strom, da keine Ankopplung an einen Werberevolver vorhanden ist, und die App wird immerhin aktualisiert. Eine erste Testversion der App beinhaltete nur ein Muster, ein zweites wurde im weiteren Verlauf der Entwicklung hinzugefügt. Mit mehr User-Beteiligung werden sicher auch weitere Muster hinzukommen. Und vielleicht wird die App mit mehr Usern auch derart weiterentwickelt, dass eine Bluetooth-Anbindung an bestimmte Kameras möglich ist und Linseninformationen mit der App ausgetauscht werden können. Bis dahin heißt es jedoch, sich mit den beiden guten Testmustern auseinandersetzen und den Autofokus bei den eigenen Kameras anpassen oder das eigene Linsenset auf den Fokus zu prüfen. Die App kann über den jeweiligen Store – App Store und Play Store – heruntergeladen werden. Zum Testzeitpunkt war die App kostenfrei, und bis dato spricht nichts dafür, dass sich das in naher Zukunft ändert. Und vielleicht wirft der eine oder andere User einen Blick auf die App für das Produktionsdesign.

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