MochaBlend – Von Mocha zu Cinema 4D

Rückblick: In der DP 01 : 2017 stellt unser Autor Uli Plank fest: MochaBlend von Good Spirit Graphics ist keine neue Kaffeemischung – sondern ein Plug-in für C4D.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der DP 01 : 2017.

MochaBlend von Good Spirit Graphics ist keine neue Kaffeemischung, sondern ein Plug-in für Cinema 4D (oder auch Blender), das Tracks und Shapes aus Mocha in die 3D-Programme übertragen kann. Man mag sich fragen, wozu man das braucht, wenn Cinema 4D (C4D) in der Version 18 schon einen eigenen Objekt-Tracker anbietet, aber es muss ja einen Grund geben, warum das 3D World Magazine die Software zur „Best in Class“ gekürt hat.

Das Tracking in Mocha sollte mit einer Position begonnen werden, die einigermaßen frontal zur Kamera zeigt.

Nun, während Mocha einer der besten planaren Tracker ist, wenn nicht sogar der beste, sind die entsprechenden Möglichkeiten in C4D eher rudimentär. Man muss mindestens 8 oder 9 konventionelle Einzelpunkt-Tracks von Hand setzen und gegebenenfalls nachkorrigieren, um dann ein 3D-Objekt einigermaßen zuverlässig an die Bewegungen eines realen Körpers im Raum binden zu können. Dabei wird man mit allen Problemen konfrontiert, die durch unzureichende Samples oder Verdeckungen entstehen können. In der Regel wird das Ganze nur funktionieren, wenn man bereits auf dem Objekt in der Realaufnahme Marker angebracht hat, die optisch gut zu verfolgen sind. Genau in dieser Form wird es auch in den Tutorials von Maxon demonstriert.

Mocha dagegen benötigt nur die Umrahmung einer einigermaßen ebenen Fläche durch ein Spline, um sich dann selbst seine Punkte für dass Tracking zu suchen, sie zu verfolgen und die Tracks zu verifizieren. Dabei verblüfft es immer wieder, mit welch kritischen Bildern Mocha noch brauchbare Tracks zustande bringen kann. Auf der Basis dieser Tracks kann dann MochaBlend Bewegungspfade für Objekte im 3D-Raum errechnen, Shapes als räumlich bewegte Splines übergeben oder sogar Kamerabewegungen im Raum rekonstruieren.

Für viele Aufgaben reicht der MochaTracker aus After Effects (kurz: AE), MochaBlend bietet mit seiner Berechnung einer 3D-Kamerabewegung sogar Möglichkeiten, die Mocha selbst erst in der Version „Pro“ Das Tracking in Mocha sollte mit einer Position begonnen werden, die einigermaßen frontal zur Kamera zeigt. enthält. Nur für aufwendig rotoskopierte Masken ist die Pro-Version unverzichtbar, die kann MochaBlend dann zu 3D-Objekten im Raum umwandeln. Für den Export aus Mocha in AE benutzt man „After Effects Corner Pin (mit Motion Blur)“, Mocha Pro bietet seit Version 4 ein Format direkt für MochaBlend an. Für Kamerabewegungen hält C4D einen eigenen, automatischen 3D-Kameratracker bereit, der je nach Motiv mal besser, mal schwächer funktioniert als der Weg über MochaBlend.

Der Kameratracker in C4D benötigt eine hinreichend große Bewegung der Aufnahmekamera im Raum und genügend valide Trackingpunkte, während der Solver von MochaBlend allein aus einer in Mocha perspektivisch verfolgten Fläche einen 3D-Kamerapfad generieren kann. Das funktioniert dann aber bei starken Größenänderungen durch Kamerafahrten in der Tiefe weniger präzise. Die beiden Lösungen konkurrieren im Grunde nicht, sondern ergänzen sich eher.

Der 3D-Solver in Mocha Pro benötigt mehrere, nicht co-planare Flächen, während der Solver in MochaBlend mit einer Fläche schon gute Ergebnisse liefert, wenn der Track in Mocha sauber funktioniert hat. Das Plug-in kann den 3D-Track einer Kamerabewegung aus Mocha Pro importieren und zum Rig umbauen. Man kann sogar 3DKameratracks aus AE und anderen Quellen, wie Boujou oder Synth Eyes, in C4D mit dem Rig aus MochaBlend verbinden.

Schlechtes Tracking in Mocha führt zu Sprüngen in der Bewegung.

Wie läuft das ab?

MochaBlend erzeugt für jedes Tracking (bis zu fünfzig Slots sind verfügbar) ein passendes Kamera-Rig, das neben den transferierten Angaben zu Bildgröße, Pixelformat und Dauer auch mit dem ursprünglichen Film als Hintergrund bestückt wird.

Es enthält nach einer Konvertierung des Tracks auch die Lösung aus dem Plug-in und kann somit flexibel in C4D positioniert werden, ohne die relativen Beziehungen zu verlieren. Die Kamera im Rig passt ihre Position an die Brennweite an, das Rig ist immer perfekt darauf ausgerichtet, es lässt sich auch in angepasster Größe nach hinten schieben – eine Lösung, die auch weniger erfahrene Nutzer gut unterstützt.

Das Einfügen des Hintergrundfilms per Drag-and-drop funktioniert aufgrund von kleinen Problemen in C4D nicht immer auf Anhieb, manchmal muss man es erneut versuchen. Der Autor wird hierfür bald noch ein Dateiauswahlfenster programmieren. Au- ßerdem klappt die Synchronisierung mancher Video-Container in C4D nicht perfekt, dann sollte man besser Bildsequenzen benutzen. MochaBlend bietet zwei spezielle Solver, einen für 2,5D und den anderen für 3D. Der erste eignet sich für Tracks, bei denen sich die zu verfolgende Ebene weitgehend parallel zur Kamera bewegt hat, was durchaus eine Abstandsänderung einbeziehen darf. Dafür trackt man in Mocha nur Translation und Scale, wenn sich das Objekt dabei um die Tiefenachse dreht, auch die Rotation. Solche Tracks übergibt man mit dem 2,5D Solver.

Wenn die getrackte Ebene dagegen in der Perspektive (wie unser Küchenbrett) gekippt wurde, muss man auch Shear und Perspective tracken und in MochaBlend den 3D-Solver bemühen. Selbstverständlich ist ein perspektivischer Track niemals ganz perfekt, wenn der getrackte Bereich nicht wirklich eben ist. Für den Qualitätscheck hat MochaBlend ein eigenes Fenster.

MochaBlend ist sehr durchdacht und nutzerfreundlich angelegt, die Tooltipps tauchen sogar im entsprechenden Feld in C4D auf, trotzdem ist das Ganze in seiner Vielseitigkeit keine banale Angelegenheit. Der Einstieg wird durch gut nachvollziehbare VideoTutorials inklusive Übungsmaterial sinnvoll unterstützt: tinyurl.com/j88e5pc. Darüber hinaus gibt es unter „Help“ das umfangreiche Handbuch auf Englisch. MochaBlend behält übrigens sämtliche Daten, die importiert wurden, auch nach einem Neustart. Wenn aber alle 50 Datenslots für komplexe Tracks aus Mocha genutzt und für den sofortigen Zugriff offen gehalten werden, kann das relativ viel RAM belegen; darum lässt sich die Zahl der angezeigten Slots reduzieren.

Roto-Shapes

Sehr beeindruckend ist die Möglichkeit, auf rotoskopierte Umrissformen das Ursprungsbild als Kamera-Mapping zu übertragen und ein 3D-Objekt daraus zu generieren. Der MochaBlend Exporter gehört zum Lieferumfang und erlaubt die Übertragung animierter Maskenpfade und Formen aus AE (und somit auch Photoshop oder Illustrator) zu C4D. Wer sich Unterstützung der Handarbeit beim Rotoskopieren durch Tracking holen möchte, benötigt allerdings die Pro-Version von Mocha.

Splines können mithilfe eines NullObjekts auch auf einer gedrehten Ebene erzeugt werden, die sogar durch C4D animiert werden darf. Die Stützpunkte eines Splines lassen sich zu Nullobjekten in C4D übersetzen, vorher sollte man aber mit dem Befehl „Correct X-Spline Null Count“ die Duplikate löschen, die bei der Übersetzung der üblichen Splines aus Mocha entstehen (X-Splines kennt C4D nicht). Der Camera Map Editor für die Umsetzung der Shapes in 3D ist hervorragend, aber die Anzeige der Änderungen in C4D erfordert jeweils einen Klick auf „Update“.

Selbstverständlich bleibt das so erstellte Objekt ein flacher Klotz, der nur aus einer Perspektive richtig dargestellt wird – woher sollten die übrigen Informationen auch kommen? Aber solche Objekte können mit anderen 3D-Objekten interagieren und in Verbindung mit physikalischen Simulationen oder den Partikeln in C4D spektakuläre Ergebnisse erbringen, wie die Produktdemo mit der Läuferin beweist. Ein sehr ausführliches Tutorial zur Nutzung mit Roto-Shapes findet sich hier: vimeo.com/158491618. Die nächste Version von MochaBlend wird sogar animierte Autotrace-Splines aus AE unterstützen, die für jedes Bild eine wechselnde Anzahl von Stützpunkten enthalten – sowas funktionierte bisher in 3D gar nicht. Außerdem sollen die Spline-Objekte unabhängig von der bewegten Kamera im Rig werden. Sicherlich keine einfachen Aufgaben für den Entwickler Chris Barrett.

Kommentar

Die Integration von Cinema 4D und After Effects ist ja lange schon mustergültig, aber MochaBlend schließt die Lücke zwischen Mocha und C4D auf dem Weg vom zweidimensionalen Bewegtbild in den 3D-Raum.

Für viele Aufgaben erspart es sogar die Investition in die Pro-Version von Mocha.

Prof. Uli Plank lehrt digitale Kinematografie und Computeranimation und pendelt dafür zwischen Braunschweig, Ludwigsburg und Bandung.

Maxon Feature

Maxon Feature

TEILEN
Vorheriger ArtikelWacom Connected Ink | Veranstaltung
Tinte, die verbindet: Bei diesem Online-Event kommen Kunst und Technik zusammen!
Nächster ArtikelStar Trek: Lower Decks | Behind the Animation
Vom Macher von Rick and Morty: Exklusiver Einblick in den Schaffensprozess der Animations-Serie!

Kommentar schreiben

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.