NAB: Super Session “The Global Picture on DTV Deployment”

Die USA stellen 2009 auf digitale Fernsehausstrahlung um - die NAB diskutiert mit europäischen Vertretern über die Umstellung und ihre Schwierigkeiten

Am 17. Februar 2009 wollen die USA landesweit vom analogen auf das digitale Fernsehen (DTV) umstellen: Anlass für eine eigene Super Session mit Paneldiskussion, die NAB-Präsident David K. Rehr persönlich moderierte.

Panel-Teilnehmer aus Schweden, Österreich, Großbritannien und Singapur – alles Länder, die den Übergang bereits vollzogen haben -, berichteten über ihre Erfahrungen beim Wechsel. Nicht mehr ganz zwei Jahre bleiben, um die US-Amerikaner auf die Einführung des digitalen Fernsehens (DTV) vorzubereiten, und nach Umfragen wissen zurzeit erst 40 Prozent der Bevölkerung, dass ein Wechsel bevorsteht. Lediglich 10 Prozent wissen, wann es soweit sein wird.

Alle Diskutanten stimmten darin überein, dass eine der größten Schwierigkeiten die richtige Information der Bevölkerung ist. Aus Schweden berichtete der Vertreter der Schweden Digital TV Kommission, Pierre Helsen, dass sobald die Massenmedien positiv über den Wechsel berichten, die größte Hürde genommen ist. Er konnte aber auch davon erzählen, dass ein Zuviel an Informationen zu Schwierigkeiten führt: Durch die schwedische Informationskampagne waren sehr viele Kabelnutzer beunruhigt und meldeten sich bei der Telefon-Hotline.

In Österreich verteilte man an die ersten Wechselwilligen 100.000 Gutscheine im Wert von jeweils 40 Euro für den Kauf von Settop-Boxen. Singapur war das einzige der im Panel vertretenen Länder, das direkt auf HD umgestiegen ist. Gerade dort war man bei der Information der Bevölkerung sehr kreativ, indem die Verantwortlichen zum Beispiel Wettbewerbe durchführten, in denen sich Teilnehmer 30 Sekunden vor der Kamera präsentieren konnten. Diese Beiträge wurden dann im Internet präsentiert. Wer in Ratings am besten abschnitt, kam eine Runde weiter und konnte am Ende mit seinem Beitrag ins Fernsehen kommen sowie ein hochwertiges HDTV-Gerät gewinnen.

In Großbritannien garantieren die gesetzlichen Bestimmungen alten und sozial schwachen Menschen einen Zugang zu DTV, bis hin zu Hilfen bei der Installation der Settop-Boxen. Dafür rechnet man mit Kosten von rund einer Milliarde Pfund, die über sechs Jahre hinweg aufgewendet werden müssen.

Der Grund für den Wechsel von analog zu digital sind die hohen Kosten für die terrestischen Frequenzen im Vergleich zu Kabel und Satelliten. In dem Frequenzspektrum, in dem ein analoger Fernsehkanal transportiert wird, lassen sich bis zu vier digitale Kanäle unterbringen.

Darüber hinaus ist der Umstieg aber auch ein Politikum: So argumentierte der Vertreter der österreichische Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde, Sebastian Loudon, dass sich die österreichische Regierung für die Grundversorgung der Bevölkerung nicht auf den guten Willen von Satellitenbetreibern verlassen möchte. Lim Chin Siang, Direktor von Singapurs „IT&T, Media Development Authority“ stimmte dem zu – und verwies darauf, dass Satelliten auch schon mal abgeschossen werden könnten.

In den USA stößt der Wechsel auch auf Widerstand. „Das gab es noch nie, dass den Verbrauchern von der Politik vorgeschrieben wurde, ein neues Produkt zu kaufen“, gibt Rehr die Argumente der Kritiker wieder: Einer der Gründe, warum man ab Januar 2008 in einer 1,5 Milliarden Dollar teuren Kampagne die Bevölkerung informieren will. Eine Untersuchung in Österreich kam hingegen zu dem Ergebnis, dass die Bevölkerung dort den Umstieg als im Interesse zukünftiger Generationen nötig ansieht.

Gewinner sind auf jeden Fall die Hersteller von Settop-Boxen und Fernsehgeräten. In Schweden haben sich etwa 20 Prozent der Haushalte neue Geräte angeschafft, in Singapur stiegen die Verkaufszahlen von 130.000 auf 274.000 verkaufte LCD-Geräte innerhalb eines Jahres.

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