Macromedia will „Killerspiele“ erforschen

Fachhochschule der Medien kündigt wissenschaftliche Aufarbeitung und Studie an

Die private Macromedia Fachhochschule der Medien (MFM) hat eine „Forschungsgruppe Killerspiele“ gebildet. Sie soll die „teils hysterisch“ geführte Debatte um das Thema versachlichen, erklärt das Ausbildungsinstitut in einer Mitteilung. Neben Computer Animation bildet Game Design einen der Studienschwerpunkte der Fachhochschule.

Initiert wurde das Projekt von Dr. Arno Kohl, der unter anderem auf Serious Games – 3D-Simulationen für Trainings- und Entwicklungszwecke – spezialisiert ist und maßgeblich am Aufbau des Studiengangs Digitale Medienproduktion an der MFM beteiligt war. „Es ist doch unglaublich, dass über ein generelles Verbot diskutiert wird, obwohl bisher noch kaum jemand wissenschaftlich fundiert an die Sache herangegangen ist“, sagt Kohl. MFM zufolge beziffert TNS Infratest die Zahl mehr oder minder regelmäßiger Videospieler in Deutschland auf 20 bis 25 Millionen Frauen und Männer.

Kohl fürchtet, Deutschland könne international den Anschluss an die Boombranche verpassen, deren Umsatz bereits die Kinobranche überholt habe. „Hier wird ein Millionenmarkt unter Generalverdacht gestellt“, konstatiert Kohl. Der öffentliche Diskurs in Deutschland zum Thema Computer- und Videospiele konzentriere sich fast ausschließlich auf sogenannte Killerspiele. Problematisch sei dabei, dass es keine Einigkeit über den Begriff gäbe und so aus Unkenntnis oft zum Etikett Killerspiel gegriffen werde, wo auch nur ein Ruch digitaler Gewalt zu erkennen sei. So will das bayerische Innenministerium „ethisch und moralisch verwerfliche“ Videospiele auf den Index setzen und brachte einen entsprechenden Gesetzesvorschlag in den Bundesrat ein. Dabei gebe es bisher keinen anerkannten wissenschaftlichen Konsens, auf den sich die Vorstöße oft selbsternannter Experten berufen könnten. Es sei daher höchste Zeit für empirische Forschung.

Ein mehrköpfiges Team aus Wissenschaftlern und Studenten wird die öffentliche Diskussion im internationalen Kontext aufarbeiten, die empirische Forschung zu Medien und Gewalt im Hinblick auf Killerspiele zusammentragen und eine qualitative Studie anhand ausgewählter Fallbeispiele zum Zusammenhang von Aggressionsbereitschaft, latenter und aktueller Aggressivität und Konsum interaktiver und nicht-interaktiver Medien durchführen. Die Ergebnisse sollen laut MFM voraussichtlich 2008 veröffentlicht werden.

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