Kunstinstallation belauscht Online-Gerede

Werk öffnet Fenster zur Internetkommunikation der heutigen Zeit

Eine neuartige elektronische Kunstinstallation im Science Museum in London ermöglicht Besuchern einen Einblick in die im Internet stattfindenden Gespräche. Wie die britische Zeitung „The Independent“ berichtet, durchforstet die auf den Namen „Listening Post“ getaufte Einrichtung zunächst das Netz auf Textinhalte, die in tausenden von Chat-Räumen, Message Boards und Online-Foren rund um die Welt gepostet worden sind. Auf insgesamt 231 kleinen elektronischen Bildschirmen werden anschließend zufällig ausgesuchte Wörter stichprobenartig eingeblendet und gleichzeitig von einer per Computer generierten synthetischen Stimme laut vorgelesen. Mit der experimentellen Installation wollen die beiden Künstler Ben Rubin und Mark Hansen Interessierten einen Querschnitt der im Internet geführten Kommunikation bieten.

„Diese Installation öffnet den Menschen ein Fenster zur Online-Kommunikation der heutigen Zeit“, erklärt Hannah Redler, zuständig für Kunstprojekte im Londoner Science Museum. Auf diese Weise werde den Besuchern vor Augen geführt, in welchem Ausmaß, in welcher Form und über welche Themen Menschen sich im Internet unterhalten. „Das Werk verdeutlicht, wie viele unterschiedliche Gedanken Menschen im Internet zum Ausdruck bringen“, stellt Redler fest. Die im Rahmen der Kunstinstallation wiedergegebenen Inhalte seien als repräsentativ für die Gesamtheit der im Internet stattfindenden Kommunikation zu sehen.

Für Besucher der „Listening Post“ ergibt sich zunächst ein recht verwirrendes Bild: Einzelne Wörter flackern auf Bildschirmen auf und verschwinden wieder, wobei eine Computerstimme diese gleichzeitig laut vorliest. Während die Textstichproben zufällig wiedergegeben werden, lässt sich die Soundkulisse in sieben unterschiedliche Bereiche einteilen. So werden beispielsweise im Laufe einer Phase nur solche Satzphrasen wiedergegeben, die mit „I am“ beginnen. Andere wiederum filtern nur Online-Texte, die mit „I love“ oder „I like“ beginnen, aus der Internet-Kommunikation heraus. Die einzelnen Phasen wechseln sich in einem Zeitraum zwischen 30 Sekunden und drei Minuten ab, wobei die Länge ihrer Ausstrahlung von Mal zu Mal variiert.

Die Installation nimmt dabei bewusst keinerlei Zensur der gefundenen Online-Beiträge vor. Interessierten jüngeren Menschen rät das Science Museum daher, schon vor einem Besuch für elterlichen Beistand zu sorgen. Für etwaige Notfälle habe man aber sicherheitshalber eine Vereinbarung mit den Künstlern getroffen, die bei besonders extremen verbalen Ausfällen wie etwa rassistischen Äußerungen eine Modifizierung des Filtersystems vorsieht.

Weiterführende Links:

  • Infos zur Ausstellung

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