Tipps und Tricks zu VFX

Im DPIntensiv-Seminar "Konzeption, Kalkulation und Planung von VFX", das vom 21. bis 22. Juni in München stattfand, erfuhren die Teilnehmer Insider-Infos aus erster Hand.

Sacha Bertram, freier VFX Producer und Supervisor, leitete das DPIntensiv-Seminar und informierte zu Konzeption, Kalkulation und Planung von VFX. Die DP sprach im Anschluss noch mit dem Referenten. Ein Kurzbericht über das Seminar erscheint in der Ausgabe 05:08.

DP: Herr Bertram, worauf achten Sie am Set besonders?

Sacha Bertram: Man muss immer das Ganze im Auge behalten. Zum Beispiel trug eine Darstellerin in einem Film ihre Haare offen, in einer darauffolgenden Szene war eine Autoszene vorgesehen. In dieser musste das Fenster heruntergekurbelt sein, um nachher Helikopter einfügen zu können. Offene Haare hätten im Wind geflattert und ein späteres Einsetzen von CG-Elementen nahezu unmöglich gemacht. An dem Punkt der Handlung hat die Frau aber keine Zeit, sich Gedanken um ihre Frisur zu machen. Ungünstig wäre der Fall, wenn Szenen mit offenen Haaren schon abgedreht gewesen wären und man das Problem erst jetzt bemerkt hätte. Man muss wissen, wo Greenscreen-Drehs zum Einsatz kommen und die Szenen davor im Auge behalten. In unserem Fall trug die Frau etliche Szenen zuvor schon die Haare als Zopf.

DP: Im Seminar sprechen Sie von den Unabwägbarkeiten des Drehs. Was verstehen Sie darunter?

Sacha Bertram: Manchmal würde es reichen, den Bluescreen nur um 3 Meter nach vorne zu rücken, und alle hätten nachher wesentlich weniger Arbeit. Aber wenn der Screen nach 15 Minuten wieder einsatzfähig wäre, ist das Licht bereits weg. Also wird gedreht, weil diese 15 Minuten nicht drin sind.

DP: Nennen Sie uns bitte ein Beispiel für „unsichtbare Effekte“.

Sacha Bertram: Als unsichtbare Effekte definiere ich Effekte, die der Zuschauer nicht erwartet. Zum Beispiel kam es während eines Drehs im Winter zu einer längeren Unterbrechung, weil die Produktionsfirma pleite ging. Als wir weiterdrehen konnten, lag kein Schnee mehr. Wir hatten zwei Möglichkeiten: Entweder man macht jede Szene zu einem VFX Shot oder man wendet einen dramaturgischen Trick an. Hier ist wieder gute Beratung gefragt. Wir entschieden uns für Letzteres und die erste Einstellung zeigt ein Haus, im Vordergrund liegt digitaler Schnee. Der Zuschauer erkennt, es ist Winter. Alle anderen Szenen spielen an einer Straße, die schneefrei ist. Aber der Zuschauer hat die Information „Winter“ gespeichert, ohne dass man Schnee noch öfters zeigen müsste.

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DP: Werden solche Tricks öfters angewandt?

Sacha Bertram: Durchaus. Manches entwickelt sich auch erst während des Drehs. In „Das Inferno – Flammen über Berlin“ (2007), wo Scanline für die Effekte verantwortlich zeichnete, spielen sich die meisten Szenen im Berliner Fernsehturm ab. Um nicht in jeder Einstellung den Ausblick auf Berlin einzubauen, kamen wir auf die Idee, das Drehbuch etwas abzuändern. Die Feuerwalze schwärzt die Fenster. Eine traumatisierte Überlebende geht an die Scheibe und wischt den Ruß zur Seite, und fasst danach den Entschluss, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Das wird von dem beherzten Eingreifen einer anderen Figur verhindert. Aber zurück zum Eigentlichen: In diesem Moment ist dem Zuschauer klar, dass die Fenster zugerußt sind und er akzeptiert diese Tatsache und schenkt ihr keine weitere Beachtung mehr. Der Regisseur war sehr glücklich mit dieser Lösung. Zum einen wurden die Kosten massiv gesenkt, aber auch dramaturgisch hat ihm der Ausbau dieser Nebenfigur gut gefallen.

DP: Was wären denn die klassischen Probleme, die sich im Compositing ergeben?

Sacha Bertram. Die meisten Probleme haben mit Green/Bluescreen zu tun, genauer mit dem Keyen. Transparenzen verschwinden ganz gerne und sehr filigrane Objekte neigen auch dazu. Problematisch ist Green Spill. Um das zu verhindern, müssen die Schauspieler ein wenig weiter weg agieren. Oft sind die Studios aber aus Kostengründen kleiner, so dass der Abstand nicht so großzügig bemessen ist. Falls jemand zum Beispiel ein weißes Hemd trägt, könnte es passieren, dass es einen Grünstich erhält und später ganz verschwindet oder nur unvollständig zu sehen ist. Hält man sich länger in einem solchen Raum auf, nimmt das Auge unbewusst einen Weißabgleich vor. Um Kontrolle zu haben, sollte man immer den Monitor im Blick behalten.

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DP: Was bedeutet die Entscheidung für einen bestimmten Screen für den Dreh?

Sacha Bertram: Diskussionen im Vorfeld sind hier essentiell, da man auf bestimmte Farben beschränkt ist. Das muss man im Drehbuch berücksichtigen und mit der Kostümabteilung absprechen, wann ein CGI-Shot ansteht.

DP: Sie erwähnten im Seminar vorhin ein besonderes „Hightech-Gerät“. Was hat es damit auf sich?

Sacha Bertram: Das war der Story Pole. Es ist immer hilfreich einen solchen zur Hand zu haben. Dieser Besenstil mit Tennisball darauf hilft den Schauspielern, einen Punkt zu fixieren, der später im Computer ersetzt wird. Es macht einen Unterschied, ob man irgendwohin ins Leere schaut, oder ob die Augen einen bestimmten Punkt fixieren. Außerdem ist so gewährleistet, dass eine Gruppe gleichzeitig auf etwas sieht und einem Bewegungsablauf folgt. Ohne einen Fixierungspunkt ist das allein mit mündlichen Regieanweisungen nicht zu machen.

DP: Herr Bertram, danke für das Gespräch.

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