Käsemond – 3D-Studentenprojekt

Wie erstelle ich als Student einen 3D-animierten Kurzfilm? Mann nehme ein bisschen Maya hier, ein paar Studenten dort, schreibe eine Synopsis und schnappe sich den passenden Dozenten. Nicolas Born berichtet von dem Projekt.

So weit, so üblich. Nur was, wenn die eigene Hochschule zwar Softwarelizenzen besitzt aber keine Kurse damit anbietet? Auch der Umstand half nicht, dass es keine Dozenten gab, die mit technischem Rat zur Seite stehen konnten. Also ganz tief durch atmen, die Augen so weit es geht aufmachen und einfach trotzdem machen!

So begann im Herbst 2007 Nicolas Born an der Hochschule für Künste Bremen im hochschulübegreifenden Studiengang Digitale Medien mit den Vorbereitungen zu seinem Bachelor Report. Der Kern dieser Arbeit stellt die Produktion des animierten Kurzfilms Käsemond da, der die Geschichte eines ganz großen Festes kleiner Mäuse erzählt, die von den Menschen unbemerkt ihr eigenes Neujahr feiern.

Doch nicht ihre mühevoll aufgebaute Kirmes ist der Anlass dieser bunten Feierlichkeiten, sondern ein Abschied. Oder besser: der Anfang einer wunderbaren Reise. Denn wie viele es von uns schon vermutet haben, besteht der Mond eigentlich aus Käse und bietet somit die ideale Heimat für Mäuse. Diese cleveren kleinen Nager verstecken ihre eigenen kleinen Raumschiffe unter unsere Sylvesterraketen, um unbemerkt im Schutze des Feuerwerks auf den „Käsemond“ zu gelangen.

Trotz dieser Umstände bot dieses Studium dennoch genügend Freiheiten, ein derartiges Projekt in Angriff zu nehmen. Daher ließen sich auch der Gastdozenten Ulf Nawrot und Professor Roland Kerstein für die Betreuung des Reports begeistern. Nicolas Born schlossen sich neben seinem Studienkollegen Markus Lihs, fünf weitere ambitionierte Mitstreiter an. Während Tobias Weber und Uli Nollert, der sich um die komplette Vertonung kümmerte, ebenfalls aus dem Studiengang Digitale Medien stammten, stießen die Brüder Markus und Matthias Maciak, sowie Hans Hamm aus dem Studiengang Medieninformatik der Hochschule Bremen dazu.

Alle am 3D-Teil des Films Beteiligten waren bereits mit dem grundsätzlichen Umgang mit Autodesk Maya vertraut, auch wenn die Hälfte des Teams erst während der Durchführung des Projektes von 3DS Max umlernte. Alle Macher des Filmes hatten allerdings eines Gemeinsam: noch nie standen sie vor der Aufgabe vollkommen eigenständig in einem größeren Team einen vollständigen Animationsfilm zu erstellen.

„Käsemond“ dokumentiert somit nicht nur den projektüblichen Lernprozess, sondern stellt auch ein Experiment dar: Wie effizient können im Laufe eines Projektes entstehende Aufgabensituationen mit zeitgleich (und daher zielgerichteten) autodidaktisch erworbene Fähigkeiten gelöst werden. Eine weitere Herausforderung stellte das Ziel dar, möglichst alle zu sehenden visuellen Elemente im eigenen Team zu erarbeiten und nicht auf Presets oder Vorlagen Anderer zurückzugreifen.

So wurden auch alle Texturen selbst gemalt, Sounds selbst aufgenommen und eine Vielzahl von Skripts für die Produktion geschrieben. Da sich auch ganz Nebenbei eine effiziente Teamarbeit entwickeln musste, wurden die Nächte für die Filmemacher während der viermonatigen Produktionszeit sehr, sehr kurz.

Allerdings wurde diese äußerst intensive Zeit immer wieder durch positive Ereignisse versüßt. So konnte für die Erzählerstimme der Schauspieler Till Hagen gewonnen werden, der vielen auch als Synchronsprecher für zum Beispiel Kevin Spacey bekannt ist. Dank gilt hier auch der Agentur Stimmgerecht, die diese Aufnahmen durchführten. Zudem war die Zusammenarbeit mit dem Musikverlag Sonton mehr als angenehm, aus deren Archiv sich die Filmmusik zusammensetzte.

Um die geschaffenen Datenmengen zu Rendern kam das großartige Royal Render von Binary Alchemy zum Einsatz, dass Holger Schönberger dem Team für die Projektphase zur Verfügung stellte. Auch halfen immer wieder Studienkollegen und Freunde wie zum Beispiel Kevin Gledhill oder der Dozent Joachim Hofmann mit, ohne dabei mehr als nur unendliche Dankbarkeit in Aussicht gestellt zu bekommen.

Natürlich forderte ein derartig ambitioniertes Projekt einige Opfer. So sei hier nur kurz der akute Haarausfall erwähnt, die die Mäuse erleiden mussten. Es wurde zwar einige Zeit aufgewendet um individuelle und dennoch flauschige Mäuse zu erstellen. Leider machten es die Menge der Mäuse als auch die unzuverlässige Stabilität des getesteten Plugins leider unmöglich diese effizient und in absehbarer Zeit zu rendern. Auch ist es bei der Betrachtung des Filmes offensichtlich, dass beim Setzen der Arbeitsprioritäten sicher auch Alternativen möglich gewesen wären.

Im Endeffekt konnten dennoch die meisten selbstgesetzte Ziele in der technischen und darstellerischen Umsetzung erreicht werden. Daher ist allen Studenten, die sich in Ähnlichen Ausgangssituationen befinden nur anzuraten, derartige Projekte bis zum Ende durchzuführen, sofern Sie sich selbst auch erreichbare Ziele setzen und nicht zu weit nach den „Pixar“ Sternen greifen wollen. Der Film, sowie der gesamte Bachelorreport von Nicolas Born wurden an der HfK Bremen begeistert aufgenommen. Und da sich die meisten Beteiligten immer noch gut verstehen, gründete das Kernteam im Sommer 2008 die ANIMA Entertainment GmbH um auch weiterhin in diesen nun erkundeten Gefilden tätig zu werden.

Weiterführende Links:

  • Anima Entertainment

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