HFF-Filmkunst: Debütfilm und Freeze-Szenen Making-of

Helena Hufnagel erklärte in der DP 02:16, wie ein aufwendiger Freeze-VFX-Shot für ihren Kurzfilm "Willa" an der HFF München entstand. Jetzt startet mit "Einmal bitte alles" am 20. Juli der erste Langfilm der Regisseurin im Kino. Wir verlosen zwei Tickets für den Besuch des Films in dem Kino ihrer Wahl (auch Open Air).
HFF München Making-of

In „Einmal bitte alles“ geht es um die Hauptprotagonistin Isi, die in einer ordentlichen Quater-Life-Crisis feststeckt. Während sie an ihrem Traum, Illustratorin zu werden festhält, mutiert der Rest der Welt zu veganen Erwachsenen mit perfekten Lebensentwürfen. Mit diesem Stoff hat Helena Hufnagel ein Porträt der Generation Y geschaffen, das beim Filmfestival Max Ophüls Preis im Wettbewerb Premiere feierte.

Sie möchten in der ersten Kinowoche des Films (vom 20.-27.7) „Einmal bitte alles“ in netter Begleitung angucken? Dann beantworten Sie uns bitte folgende Frage:

Welches Münchner VFX-Studio unterstützte das „Willa“-Team bei der Realisation der visuellen Effekte für die Freeze-Szene im Zugabteil?

Und schicken Sie die Antwort inklusive der Angabe Ihrer Adresse an verlosung@digitalproduction.com. Mit etwas Glück gehören Ihnen dann bald zwei Karten für ein Kino Ihrer Wahl (das den Film natürlich im Programm hat, inklusive Open-Air-Screenings).

Einsendeschluss ist der 14. Juli 2017

Ihre Daten werden nur verlagsintern ausgewertet und nicht an Dritte weitergegeben. Verlagsangehörige können nicht an der Verlosung teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung der Gewinne ist nicht möglich.

Zug-VFX

Damit Sie sich zum Kinostart von „Einmal bitte alles“ am 20. Juli vorbereiten können, lesen Sie hier das Making-of von Helena Hufnagels vorherigem Kurzfilmprojekt „Willa“ – der Verfilmung einer Stephen-King-Geschichte, die eine Freeze-Szene beinhaltet. Wie diese gedreht wurde und in der Postproduktion bearbeitet, erfahren Sie hier.

Aber schauen Sie hier zunächst die Zugabteil-Freeze-Szene aus „Willa“ an:

Gefrorenes an der HFF

Freeze-Szenen sind eindrucksvoll, machen aber gleichzeitig viel Planungs- und VFX-Arbeit. Studenten der HFF München haben sich für die Verfilmung der Stephen-King-Kurzgeschichte „Willa“ der Herausforderung gestellt, eine solche Sequenz zu kreieren.

„Willa“ war ein besonderes Projekt für die HFF München, weil es der erste Kurzfilm der Hochschule ist, der eine solche VFX-lastige Freeze-Szene in die filmische Erzählung integriert.

Ein Herz für Studenten

Das HFF-Team wählte Stephen Kings Geschichte „Willa“ für eine Verfilmung aus, weil sie Mystery, Fantasy und Romantik vereint und dort eine ganz besondere Atmosphäre kommuniziert wird (Anm. d. Red.: „Willa“ ist Bestandteil der Kurzgeschichtensammlung
„Sunset“, die 2008 erschienen ist). Außerdem kommt der Autor Filmstudenten sehr
entgegen: Die Rechte an seinen Kurzgeschichten verkauft er weltweit für nur 1 Dollar. Die Studenten steckten ganz klassisch einen Dollar-Schein in einen Briefumschlag und sendeten diesen an das Management von King. Der Vertrag kam prompt zurück – seitdem besitzt das Team neben den Rechten zur Verfilmung auch ein Original-Autogramm von dem Meister des Horrors. HFF-Studentin Helena Hufnagel war die Regisseurin und Produzentin bei „Willa“. Das Drehbuch stammt von Sina Flammang, die Kamera machte Adrian Campean. Darüber hinaus war das Team aufgrund von drei verschiedenen Drehphasen und einem langwierigen Postproduktionsprozess, der sich über ein Jahr hinweg zog, sehr groß.

Drei Mal drehen

Phase 1 des „Willa“-Drehs begann im April 2013: das Team filmte 8 Tage lang in München
und im Harz in der Stadt Quedlinburg. Der zweite Dreh im Juni 2013 ging 2 Tage und fand im Münchner Umland sowie in der Lokalbahn am Chiemsee statt; unter anderem entstand dabei die Titelsequenz. Für das VFX-Bild der Freeze-Szene war im Januar 2014 ein Drehtag in einem alten Zugwaggon, welcher in einer Werkstatt in Landshut stand, vonnöten. Um die Wucht der Explosion vor Augen zu führen, mussten die Schauspieler
am Set an Fäden gebunden werden. Als Inspirationshilfe für den Freeze-Look diente unter anderem der Philips-Commercial „Carousel“ (s. Video) für das Cinema-21:9-LCD TV-Gerät.

Schwebezustand

Bei der „Willa“-Szene ging es im Speziellen darum, das Entgleisen eines Zugwaggons
als eingefrorenen Moment festzuhalten. Um die Illusion des Crashs zu erzielen, stellte das Team die Kamera schräg. Als diese Vorgabe einmal klar war, wurden alle anderen Objekte unter diesem physikalischen Gesetz betrachtet. Außerdem entstand durch die Wahl einer leicht untersichtigen Kameraperspektive der Eindruck, dass sowohl die Objekte als auch die Menschen im Abteil schweben. Alle Personen und Objekte in der Szene riggten die Artists und fügten die fliegende Kamerabewegung hinzu; durch zusätzliche CG-Feuer- und Flüssigkeitselemente verstärkte das VFX-Team noch die eingefrorene Illusion.

Gedreht wurde mit der RED Epic sowie der RED Scarlet, damals noch mit dem Mysterium-X-Sensor. Kameramann Adrian Campean entschied sich für eine 5K-Auflösung, da so noch in der Postproduktion die Möglichkeit bestand, leichte Bewegungen hinzuzufügen sowie die Cadrage zu korrigieren. Gedreht wurde der komplette Film mit Hawk-Anamorphoten-1.3x-Objektiven.

Mehr VFX-Förderung an der HFF

Die Realisierung eines Freeze-Shots ist in der Regel teuer in der Umsetzung; zusätzlich waren an der HFF München VFX-lastige Szenen in Studentenprojekten bislang die Ausnahme, nicht die Regel. Aber zusammen mit Josef Rödl, Professor am Lehrstuhl „Filmischer Raum“, der sich enorm für die Entstehung des Shots einsetzte, und HFF-Studentin und Assistentin „Filmischer Raum“ Anna-Katharina Maier, gelang es, das Münchner Studio Trixter mit ins Boot zu holen. Mit der Unterstützung der VFX-Profis und dank des großen freiwilligen Engagements von den Studenten der Bayerischen Akademie für Fernsehen e. V. (BAF) konnte der Shot im Laufe eines Jahrs geplant und realisiert werden.

Die Postproduktion fand unter der Leitung von Robert Hoffmeister statt, dem damaligen Trixter-VFX-Supervisor und HFF-Lehrbeauftragtem für VFX, der in diesem Jahr zur animago-Jury zählt. „Es wäre hilfreich und wünschenswert, wenn die VFX-Postproduktion an der HFF München noch mehr gefördert werden würde. Denn so hat es knapp ein Jahr bis zur Fertigstellung des Freeze-Bildes für das Projekt gebraucht. Was sich inzwischen an der HFF aber schon optimiert hat: Trixter-Geschäftsführer Michael Coldewey ist jetzt als VFX-Professor an der Hochschule“, so Helena Hufnagel. „Es war für uns ein langer und anstrengender Weg, aber wir hoffen, dass wir einige Türen für nachfolgende Produktionen öffnen konnten. Wir würden uns extrem freuen, wenn unser Projekt andere Studenten ermutigen könnte, sich ebenfalls an solch ein kompliziertes VFX-Bild zu wagen.“

Der Artikel erschien in der DP-Ausgabe 02:16, die Sie hier bestellen können.

(Mirja Fürst)

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