Shuttle XPC Cube SZ170R6 im Test

Shuttle war einer der ersten Hersteller, der mit seinen kompakten Gehäusen bewies, dass auch Windows PCs schick sein können und es jenseits von Big- und Midi-Towern noch andere Formfaktoren gibt. Doch sind die bewährten Shuttle-Gehäuse noch in der Lage, die immer größeren Wärmemengen aktueller CPUs und Grafikkarten zu bewältigen?
Shuttle XPC Cube SZ170R6
Shuttle XPC Cube SZ170R6

Der Versandkarton des Shuttle XPC ist nur unwesentlich größer als der Rechner selbst und lässt sich aufgrund des Plastikgriffs auch gut zum Transport verwenden. Trotz der relativ kleinen Verpackung scheint das Gehäuse während des Transports gut gegen Stöße und mechanische Belastungen geschützt zu sein. Bereits beim Auspacken spürt man am Gewicht des Rechners, dass Shuttle den XPC Cube äußerst reichhaltig mit Hardware ausgestattet hat.
Obwohl er von den Abmessungen her einer der kleinsten Rechner im Testfeld ist, verfügt er von allen Rechnern über die umfangreichste Ausstattung. Wie bei den großen Workstations gibt es eine GTX-1080-Grafikkarte und 64 Gbyte RAM, weniger CPU-Power, dafür aber wesentlich mehr SSD/HDD-Speicher.

Gehäuse

Von außen präsentiert sich das Gehäuse des XPC Cube elegant und edel wie eh und je. Die verchromte Zierleiste hebt sich fein vom Blech aus schwarzem Aluminium ab und qualifiziert den XPC Cube optisch für den Einsatz im Konferenzsaal, bei der Kundenpräsentation und nicht zuletzt als Luxus-Media- und Zock-Center im Wohnzimmer.
Im Gehäuse des Shuttle Cube SZ170R6 geht es eng zu. Um einen Blick auf alle dicht gepackten Komponenten zu erhalten, muss man von allen Seiten genau hinschauen.

Die CPU wird nicht über einen normalen CPU-Kühler gekühlt, sondern über ein Heatpipe-Element, das zu einem größeren, aktiv über Lüfter gekühlten Aluminium-Kühlkörper an der Rückseite des Gehäuses führt. Für einen normalen CPU-Kühler wäre auch gar kein Platz gewesen, da die 4 RAM-Module und Sata-Stecker in unmittelbarer Nähe des CPU-Sockels angebracht sind, seitlich daneben die nicht gerade kompakte Asus 1080 und darüber noch die 10-Gbyte-Festplatte verbaut ist.

Der Lüfter der Asus-1080-Grafikkarte ist nur ein/zwei Zentimeter vom Gehäuseblech entfernt. Hinzu kommt noch, dass es für die warme Luft der Grafikkarte – bis auf eine Reihe kleiner Löcher im Seitenblech – keinen direkten Weg nach außen gibt, was dazu führen könnte, dass die gut 275 Watt Wärmeleistung der GPU nicht schnell genug aus dem Gehäuse transportiert werden und es zu heiß zum Rechnen wird.

Ausstattung

Die Ausstattung des Shuttle XPC SZ170R6 kann in Anbetracht der Größe des Gehäuses nur als opulent bezeichnet werden. Irgendwie hat Shuttle es geschafft, neben der
Intel-i7-7700K-CPU, 64 Gbyte RAM-Speicher, zwei SSDs mit einmal 256 Mbyte und einmal 1 Tbyte Kapazität plus eine HDD mit 10 Tbyte auch noch eine Asus-1080-Grafikkarte ins Gehäuse zu pressen und dabei den 5¼-Zoll-Slot für ein optisches Laufwerk oder eine weitere Festplatte noch freizuhalten. Es wird gemunkelt, dass sich tief im Gehäuse noch ein Netzteil versteckt hält.
Die Rückseite bietet mit vier Displayports, 1x DVI und HDMI, Audio I/O, Gigabit Lan, viermal USB 3.0 plus zweimal USB C ein reichhaltiges Schnittstellenangebot. Und an der Vorderseite finden sich zwei USB C, ein USB 2.0, ein USB Charge Input und Audio-Ein- und -Ausgänge, um unkompliziert externe Festplatten oder Peripherie anschließen zu können. In einem transparenten Beutel erhält man Ersatz für die häufig im Gehäuse vorkommenden Schrauben, und eine Tube mit Wärmeleitpaste ist auch noch dabei.

Leistung

Mit 950 Punkten im Cinebench 15 CPU-Test erreicht die Intel i7 7700K einen guten Wert, der durch die V-Ray CPU-Rendertestzeit von 2:11 Minuten bestätigt wird. Die Asus 1080 liegt mit 130,45 Bildern pro Sekunde beim Cinebench OpenGL-Test deutlich unter ihren Möglichkeiten – zum Vergleich, die in der DAX-Workstation verbaute 1070 lieferte mit 165,16 Bildern pro Sekunde knapp 35 mehr. Und auch beim V-Ray GPU-Rendertest ist die im Shuttle XPC Cube verbaute 1080-Grafikkarte gut neun Sekunden langsamer als die eigentlich unterlegene 1070, in der DAX-Workstation.

Ein erster Hinweis auf die Leistungseinbußen: Beim synthetischen Stresstest von CPU und GPU mit Aida 64 kam es bereits nach zwei Minuten zum Thermal Throttling der GPU. Im weiteren Verlauf stiegen die Temperaturen von CPU, GPU und Mainboard stetig an, die GPU wurde aufgrund der hohen Temperaturen um bis zu 12% heruntergeregelt.

Die Lüfter des Shuttle XPC Cube waren bereits im Leerlauf hörbar. Während der Benchmarks und des Stresstests wurden die Lüftergeräusche dann laut mit unangenehm klingenden, unregelmäßig auftretenden Heulern. Das ist auf Dauer am Arbeitsplatz nur schwer zu ertragen und bei Präsentationen oder im Wohnzimmereinsatz schlicht nicht akzeptabel. Eine Möglichkeit, die Kühlung der Grafikkarte zu verbessern, wäre, auf Höhe des Grafikkartenlüfters ein entsprechend großes Loch ins seitliche Blech zu stanzen, um der heißen Luft so einen direkten Weg aus dem Gehäuse zu bahnen. Auch das Auslagern des Netzteils kann die Temperaturen im Gehäuse deutlich senken, was man am Beispiel der beiden Dell AIO-PCs deutlich erkennen kann.

Versöhnlich stimmt da die Leistung der SSDs. Mit einer Schreibrate von 1.890 Mbyte und Leseraten von fast 2.700 Mbyte pro Sekunde im AJA 4K-Full-Test pro Sekunde ist die 256 Gbyte große M.2-SSD im Shuttle XPC mit eine der schnellsten. Die normale 512-Gbyte-SSD erreicht mit 484 Mbyte Schreiben und 507 Lesen die zu erwartenden Werte. Und auch die mechanische HDD mit 10 Gbyte Kapazität muss sich mit Schreibraten von 209 und Leseraten von 204 Mbyte pro Sekunde nicht verstecken.
Das Windows 8.1 Betriebssystem scheint gut konfiguriert zu sein, es laufen keine unnötigen Dienste im Hintergrund und mit Latenzen von 292 Mikrosekunden bei Interrupt to Process liegt der Shuttle XPC für den Videoeinsatz im akzeptablen Bereich.

Fazit

Die opulente Ausstattung wird dem Shuttle XPC thermisch zum Verhängnis. Das Gehäusekonzept des Shuttle XPC, das auf Heat­pipe-Kühlung mit räumlich getrenntem Kühlkörper setzt, ist den Kühlanforderungen der Nvidia GTX 1080 und des Intel i7 7700K nicht mehr gewachsen. Was zum einen dazu führt, dass die Leistung der teuren Hardware auf Dauer nicht voll ausgeschöpft werden kann. Zum anderen ist der durch die Lüfter entstehende Geräuschpegel am Arbeitsplatz nicht akzeptabel. Wenn Sie einen Shuttle XPC kaufen möchten, überlegen Sie sich, ob eine weniger leistungsfähige Grafikkarte und CPU im Hinblick auf thermische Stabilität und Preis-Leistung für Ihren Anwendungsbereich nicht sinnvoller wären. Wenn Sie mehr Leistung bei weniger Lüftergeräusch möchten, werden Sie um eine Workstation mit einem größeren Gehäuse mit mehr Kühlungsreserven nicht herumkommen.

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