Subscription Based Workstations

Auch wenn wir die Workstations dieser Ausgabe unter dem Motto „Cheap and Cheerful“ getestet haben, hilft es nichts, wenn die Crunchtime ums Eck kommt und die Hardware doch nicht ausreicht. Und auch wenn man den Rechner auf die Schnelle kauft – wo bekommt man auf die Schnelle die Software her? Und wie sieht es mit den Lieferbarkeiten aus?
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Auf der FMX haben wir mit den Leuten gesprochen, und es stellte sich heraus, dass das Team von Escape Technology (escape-technology.com) genau hierfür eine fertige Lösung hat und diese bei Kunden schon genutzt wird. Escape Technology ist ein Dienstleister für VFX- & CGI-Produktionen mit Hauptsitz in London und seit September 2015 einer Niederlassung in Feldkirchen bei München. Durch ein eigenes Inhouse-Team und Kooperationen mit verschiedenen Technologiepartnern leistet Escape Technology die klassische Verkaufs-, Beratungs-, Finanzierungs- und Integrationsunterstützung. Die Kunden reichen dabei von Start-ups und Freiberuflern bis zu großen Unternehmen aus unterschiedlichen Märkten. Escape Technology bietet zusätzlich Managed Services, Pipeline-Entwicklung und einen eigenen Hardware-Pool zur Miete. Wir fragen nach bei Fabio Ticca (Escape Deutschland) und Neil Kalsi (Escape UK).

DP: Wenn ich jetzt auf die Schnelle einen Maya-Rechner brauche, wie kann mir Escape da helfen?
Fabio Ticca: Im Bestfall brauchen wir eigentlich nur die Eckdaten des Mietzeitraums und ein kurzes Anforderungsprofil. Daraus erarbeiten wir ein Mietangebot aus Verfügbarkeit und Leistung im Budget. Denn lieber steht die Ware beim Kunden im Einsatz als bei uns im Lager. Wir haben auf Wunsch ein monatliches Update in Form einer .pdf-Datei über den Bestand, Preise und die aktuelle Verfügbarkeit unserer eigenen vorgehaltenen Ware.
Dank Geschäftsfreunden und starker Handelspartner haben wir generell Zugriff auf weit mehr Equipment. Hier zählt es zu wissen, wo es was in welcher Schnelligkeit und Zuverlässigkeit gibt. Über uns greift man also auf mehrere Quellen und damit auf ein breiteres Sortiment zu. Ruf doch mal an, wie es die Telekom früher schon bewarb. Geht am schnellsten und effektivsten, weil gleich auf die individuellen Bedürfnisse eingegangen werden kann. Themen wie Betriebssystemwahl, Sprache, Erweiterungskarten und eben Softwarelizenzen sind sofort kommuniziert und die Verfügbarkeit geprüft und gewährleistet. Natürlich geht aber auch eine E-Mail (lacht), besonders wenn es mal nicht so spontan sein muss, an mich oder einen meiner Teamkollegen.

DP: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, so was anzubieten? Und wie oft wird das real bestellt?
Fabio Ticca: Na ja, wir arbeiten ja mit vielen Häusern aus der VFX und Visualisierung zusammen und kennen also die üblichen Projektlaufzeiten, Budgets und damit einhergehenden Herausforderungen. Angefangen hat es aber sicherlich mit dem Bedarf an Renderkapazitäten, meist gegen Ende des Projekts, wenn die Abgabefrist in Gefahr ist.
Hier reden wir von einem projektbezogenen durchschnittlichen Mietbedarf zwischen zwei und vier Wochen. Dafür lohnt sich logischerweise kein Kapitaleinsatz, da Anschaffungskosten an diesem Zeitpunkt meist nicht mehr durch das verbleibende Projektbudget gedeckt sind. Die Entscheidungsbefugnis geht zusätzlich bei Investitionen meist vom Projektmanager zum Geschäftsführer über. Da insbesondere kleine Unternehmen keinen eigenen Maschinenraum vorweisen können, wurde früh auf Workstations als Server-Ersatz gesetzt. Damit haben wir zusätzlich die Möglichkeit geschaffen, Unternehmen in Projekten mit Freelancern und kurzen Einsätzen ebenfalls ordentlich und kostengünstig auszustatten.

Neil Kalsi: Es war der Wunsch unserer Clients – und wir haben das hier in London schon seit Langem im Angebot. Enge Deadlines zusammen mit hohen Kosten für gute Artists mit der allgemeinen Zahlungs­moral der Branche sorgen immer wieder für Cashflow-Probleme – aber innerhalb unserer Branche kann man da ja was machen, mit Mietlizenzen der Software und hoch spezialisierten Freelancern kann man gutes Material produzieren – operative Ausgaben bleiben also. Aber bei Investitionsausgaben kann man mit gemietetem Equipment viel ausbalancieren und sich flexibel auf die diversen Shows einstellen.

DP: Wie weit skaliert das Programm?
Fabio Ticca: Wir haben uns als eigenes Ziel gesetzt, mindestens 50 Mieteinheiten selbst vorzuhalten. Aktuell ist die Aufteilung bei ca. 20 Desktop-Workstations und 30 Rackmount-Servern. Wobei die Workstations und Server teilweise so gewählt sind, dass sie bis zu 4 GPUs aufnehmen können, also GPU-Rechenknechte sind, und einige der Server per PCoIP auch als Remote-Workstation mit dedizierter GPU fungieren könnten. Generell verlagern wir mehr und mehr in den Maschinenraum zurück. Das bringt mehrere Vorteile bezüglich Administrierbarkeit, Sicherheit, Performance, Integration, Strom- und Kühlleistung und Lautstärke. Mit einem Vorlauf von ein bis zwei Wochen können wir meist beliebig weitere Einheiten bei uns im Haus auf Supermicro-Basis produzieren lassen.

DP: Mal Butter bei die Fische: Eine große HP-Station mit Nvidia-Quadro-Karte und Houdini für 3 Monate Crunchtime: Was kostet das insgesamt?
Fabio Ticca: Das hängt vom Typ der Quadro und CPUs ab sowie im Falle von Houdini auch vom benötigten RAM. Mit 2.500 Euro würde ich hier bei 3 Monaten für eine gut ausgebaute Workstation schon rechnen wollen. Das wären also keine 30 Euro pro Tag oder ca. 3 Euro die Stunde. Ich glaube daran, dass Hard- und auch Software einen geringen Teil der Kosten ausmachen, wenn man alle anderen Nebenkosten berücksichtigt.
Hier müssen wir langfristiger denken und die Möglichkeiten von CAPEX und OPEX korrekt nutzen. Ich gehe davon aus, dass diese Workstation im Kauf einen gebundenen Kapitalwert von über 10.000 Euro darstellt. Während wir für die Anlieferung sorgen und auf Wunsch die Abholung organisieren, obliegt der Versicherungsschutz dem Endkunden. Meist haben diese ja bereits eine Elektroversicherung. Bis dato hatten wir zum Glück noch keinen Versicherungsfall.

DP: Und wenn wir auf eine kleine Workstation gehen – mit was für Kosten muss ich beispielsweise für eine Adobe-Creative-Cloud-Workstation aufs Quartal aus dem kleinen Segment rechnen?
Fabio Ticca: Unsere Einstiegsmodelle sind optimierte Systeme, was Taktung angeht, mit lokalem NVMe-Speicher. Ausgelegt mit Fokus für das Compositing mit After Effects oder Nuke, aber eben auch nutzbar für Echtzeitanwendungen wie Unity oder Unreal Engine.
Da würde ich mit mindestens 1.500 Euro für das Quartal rechnen bei einem Wert der Workstation um die 5.000 Euro. Darunter würde ich zum guten Notebook von HP oder Lenovo als Investment tendieren, statt zu mieten.

DP: Welche Renderer und Rendernodes sind verfügbar? Und gibt es hier Konfigurationen für Netzwerke?
Fabio Ticca: Bei den Renderknechten und Renderern stellt sich das meist in zwei Szenarien dar. Wir ersetzen mit sehr leistungsstarken Servern die Bestandseinheiten über einen kurzen Mietzeitraum durch einfache Umkabelung. Hier entstehen kaum Integrationsaufwand und keine weiteren Lizenzkosten. Meist aber fallen bei bereits kurzer Mietdauer die Kosten für Rendernode-Lizenzen gegenüber der Hardware nicht mehr ins Gewicht. Besonders wenn man Chaos Group V-Ray oder Autodesk Arnold nutzt, um nur zwei zu nennen, und eine monatliche Lizenzierung möglich ist. Die ganze Branche stellt sich auf das Miet- bzw. Subscription-Modell ein, sei es in der Cloud oder on-premises. Wir machen übrigens beides, dazu gerne auf Anfrage mehr.

DP: Wenn man die Bestellung auslöst, wie ist der Ablauf?
Fabio Ticca: Zum Zeitpunkt der Bestellung ist der Anliefertermin definiert, dann kommen die Mieteinheiten per Direktkurier oder Spedition ins Studio. Hier übernimmt dann die eigene IT (oder auf Wunsch auch wir) die Integration ins Netzwerk und die Installation benötigter Applikationen und Skripte. Am Ende der Laufzeit wäre nur die Recovery-Option zu starten oder die Platte zu formatieren, um keine Daten darauf zu belassen. Wir setzen die Systeme bei uns im Hause dann nochmals nach Prüfung auf Auslieferungszustand zurück. Kunden, die wiederholt mieten, können sich natürlich auch gerne einen Clone der Platte für das nächste Mal machen.

DP: Wie flexibel sind die Konfigura­tionen?
Fabio Ticca: Je mehr Vorlauf wir haben, desto mehr Konfigurationen können wir individuell realisieren. Eine Anpassung einzelner Komponenten wie GPUs, RAM oder Netzwerkkarten bieten wir bereits an. Bei hochwertiger Peripherie wie UHD TFTs, Wacom Intuos Tablets oder Storage-Lösungen müssen wir eher auf standardisierte Modelle zurückgreifen.
Die Workstations und Server sind während der Mietzeit unter voller Kontrolle des Kunden. Es sind keine Admin-Passwörter vergeben oder Bereiche gesperrt. Wir verbieten nicht einmal, eigene Hardware in unsere Mietgeräte einzubauen. Es gilt nur, die Maschine am Ende auf eben diesen Ursprungszustand zurückzusetzen.

DP: Und was passiert, wenn der Client aufgrund der Menge an Änderungen die Deadline verschiebt?
Fabio Ticca: Kein Problem! Wir werden keinem Kunden während oder am Ende einer Mietlaufzeit die Einheiten ohne Absprache entziehen. Verlängerungen sind immer willkommen und in unserem Preismodell vorgesehen. Auch eine spontane Aufstockung oder Rückgabe kann nach Absprache erfolgen.
Tatsächlich erhalten Kunden, die gemietet haben, bei uns sogar ein Vorkaufsrecht, wenn wir die Hardware zur Erneuerung abstoßen. Da wir nur Markenprodukte anbieten, besteht in den meisten Fällen noch eine lange Zeit der 3 Jahre Vor-Ort-Garantie, die sich vor Ablauf sogar verlängern lässt. Wir bieten also eigentlich generell eine Miete mit günstigen Kaufoption in der Zukunft.

DP: Sorry, aber kurze Frage zur Politik: Escape Technology sitzt mit Hauptquartier in England. Was tun wir, wenn das Brexit-Beil fällt?
Fabio Ticca: Na ja, seit September 2015 haben wir ja die eigenständige GmbH und das Büro in Feldkirchen bei München. So gesehen sind es bereits zwei unabhängige Unternehmen. Beide Standorte besitzen ein eigenes Team und Lager, sodass ich beruhigt sagen kann, dass Brexit kein Thema ist, hoffentlich aber eine Chance für unsere Kunden darstellt.

Neil Kalsi: Escape hat bereits die Expansion jenseits des Kanals vollzogen – es gibt viele Studios, die von unseren Services profitieren können. Aber Brexit „Hard“ oder „Soft“: Das VFX-Business in London ist momentan noch so lebendig und quirlig wie immer, und fast alle großen Studios haben hier Dependancen. Auch die Atmosphäre in Soho ist nach wie vor kreativ aufgeladen. Aber viele der Artists hier – manche munkeln die meisten – kommen bereits aus der EU, und wenn die Brexit-Axt fällt, werden sich viele der Studios im nahen Umfeld wieder ansiedeln.
Wir sehen das bereits in der Vorbereitung bei einigen US-Studios, die sich in Deutschland ansiedeln, da die kreativen Talente hier vorhanden sind – zusammen mit Steuervorteilen und Förderungen.

DP: Und wenn wir ein bisschen in die Zukunft schauen: Welche Softwarepakete und Sonderkonfigurationen sind bei euch gerade auf der R&D-Liste und was, glaubt ihr, wird den Artists nächstes Jahr helfen?
Fabio Ticca: Bis dato zielt unser Mietangebot mehr auf den Projektbedarf oder einzelne Arbeitsplätze, ich sehe aber vielerorts Nachholbedarf im Bereich Storage und Infrastruktur. Beides Aspekte, die unternehmensweite Reichweite besitzen und daher höhere Investment- und Planungssicherheit benötigen.
Es wäre daher hilfreich, wenn Kunden z.B. über ein Mietangebot den Unterschied von aktuellen GigE-Kupfernetzwerken und heute einfach zu realisierenden 10/25/40 GigE-Topologien in der Integration und dem Einsatz erleben könnten. Ohne dieses Upgrade macht nämlich auch ein Blick auf neue Storage-Technologien und -Konzepte wenig Sinn. Die benötigen wir aber dringend für die aufkommenden Datenmengen und -handhabung, die an zukünftige VFX- & CGI-Produktionen gestellt werden.

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