Apple oder Aldi – Portable Lösungen für DaVinci Resolve

Rückblick: In der DP 01 : 2020 klemmte sich unser Autor Uli Plank hinter Windows-Gaming-Laptop und Mac-Mini mit externer GPU. Welche Kiste kommt mit DaVinci Resolve besser zurecht?

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der DP 01 : 2020.

Im Grunde reicht ein Laptop bisher nicht wirklich aus, wenn man mit hochauflösenden Profiformaten in DaVinci Resolve arbeiten will. Da muss eher ein sehr kräftig bestückter Desktop-Rechner im Rollwagen für den Digital Image Technician (kurz: DIT) zum Drehort gekarrt werden, wenn sofortige Grading- und Filterversuche gewünscht sind. Aber neue Kameraformate wie Blackmagic RAW und Leistungssteigerungen bei den Grafikkarten machen Hoffnung, dass es auch ein oder zwei Nummern kleiner und preiswerter sein darf. Wir haben uns zwei Lösungsansätze näher angesehen: einen Gaming-Laptop unter Windows und einen Mac mini mit externer GPU.

Wer versucht, ein aktuelles Mac book Pro in 15 Zoll für maximale Leistung zu konfigurieren, kommt – schnell deutlich über 4.000 Euro. Das neue Macbook Pro mit 16 Zoll stand zu Redaktionsschluss noch nicht zur Verfügung. Aber nur mit der teuersten Option kann man endlich auch in einem Laptop von Apple 8 Gbyte VRAM bekommen, und weniger ist in Zeiten von UHD bzw. 4K für Resolve eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Außerdem könnte man für den Preis einen sehr potenten Desktoprechner unter Windows konfigurieren, selbstverständlich mit 8 Gbyte VRAM oder auch mehr.

Die Alternative ist ein preisgünstigerer Mac mini mit der kräftigsten i7-CPU mit 6 Kernen und 3,2 GHz, Thunderbolt 3 und einer externen GPU. Der wiegt nur 1,3 kg und braucht kein externes Netzteil. Im letzten Jahr haben wir die Blackmagic eGPU getestet (tinyurl.com/BMD-egpu) und festgestellt, dass damit selbst das günstigste MacBook Pro mit 13 Zoll aus 2017 UHD-Material von semiprofessionellen Kameras in einer HD-Timeline einigermaßen vernünftig bearbeiten konnte. Zu der Zeit gab es aber noch kein prozessorfreundliches Blackmagic RAW (kurz: BRAW), und bei DNG-Sequenzen oder Der Mac mini ist nur mit einer eGPU für Resolve sinnvoll nutzbar. gar Material aus einer RED musste eine solche CPU sich geschlagen geben. Die eGPUs von Blackmagic im Vertrieb von Apple sind zwar sehr leise, aber nicht gerade billig und zudem nicht upgradefähig.

Diesmal haben wir uns nach einer Alternative umgesehen und diese in der eGFX Breakaway Box von Sonnet gefunden. Die gibt es sogar in mehreren Leistungsstufen für das Netzteil, die mittlere findet man schon für etwa 330 Euro, gebraucht deutlich unter 200.

Die Box von Sonnet nimmt Grafikkarten in voller Größe auf, sodass man damit einigermaßen zukunftssicher investiert. Wir haben im Test eine ganz normale PC-Version der AMD Sapphire RX 580 mit 8 Gbyte VRAM benutzt, deren Leistung der kleineren eGPU von Apple entspricht. Die eGPU von Sonnet hat zwar nur einen Anschluss für Thunderbolt und keine zusätzlichen USB-Buchsen, aber die Grafikkarte bietet zwei HDMI-Ausgänge und zwei Display-Ports. Sie unterstützt damit auch 5K-Monitore mit bis zu 5.120 × 2.880 Pixeln und 60 Hz. Das Gewicht beträgt mit dieser Karte knapp 4 kg, insgesamt kommt man also auf 5,3 kg. Sie wird am Mac ohne zusätzliche Treiber erkannt und geht auch – anders als die größere eGPU von Apple – automatisch mit dem Mac in den Ruhezustand.

Die leichte Wölbung des Erazer ist ein Designelement, kein Produktionsfehler.

Der Aldi-Rechner

Medion, die Elektronik-Hausmarke von Aldi, bietet immer wieder mal günstige Rechner an, darunter auch einen typischen Gaming-Laptop unter dem Namen Erazer. Die getestete Variante wurde im Oktober 2019 verkauft und hat die genaue Bezeichnung Erazer P17815. Dieses Modell hat eine i7- CPU der neunten Generation mit 6 Kernen bei 2,6 GHz und 16 Gbyte RAM. Dazu gibt es eine GeForce GTX 1660 Ti von Nvidia mit 6 Gbyte VRAM und eine SSD mit einem ganzen Tbyte als Massenspeicher. Das entspricht einer recht soliden Ausstattung für die Bearbeitung von 4K oder UHD gemäß der Empfehlungen von Blackmagic und kostet doch nur 1.299 Euro. Wenn Apple sich noch gut mit Nvidia verstehen würde, müsste man dort sicherlich mehr als das Dreifache für eine vergleichbare Ausstattung in einem Laptop bezahlen.

Trotz schmaler Ränder für den 17-Zoll-Bildschirm ist das ein ziemlich klobiges Gerät bei gut 48cm Diagonale, über 3cm mittlerer Höhe (das Gehäuse ist keilförmig) und 2,7 kg Gewicht mit Akku. Das Netzteil inklusive Kabel bringt noch einmal gut 800 Gramm zusätzlich, und man braucht schon eine üppige Laptop-Tasche für die dreieinhalb Kilo. Die Verarbeitung ist recht ordentlich. Die Tastatur zeigt gleich auf den ersten Blick eine deutliche Wölbung in der Mitte, aber das ist eine stilistische Entscheidung: Das gesamte Rechnergehäuse ist leicht nach oben gekrümmt, während der Bildschirm flach ist. Der Hersteller weist daher aus gutem Grund darauf hin, dass man immer das mitgelieferte Schutzpolster für den Bildschirm dazwischen legen sollte.

Der Schirm ist matt, löst HD auf und hat für die Preisklasse recht brauchbare Farben und Helligkeitsverteilung. Im Grunde ist er mit seinem IPS-Panel gar kein typischer Gamer-Bildschirm, aber dafür weniger blickwinkelabhängig und für Video allemal schnell genug. Die Tastatur ist ebenfalls recht brauchbar und hat sogar einen separaten Zehnerblock, die RGB-Disco-Beleuchtung unter den Tasten lässt sich glücklicherweise auf eine Farbe und geringe Helligkeit reduzieren. Die leichte Wölbung des Erazer ist ein Designelement, kein Produktionsfehler. Zusätzlich zur internen SSD sind noch zwei Steckplätze für weitere Massenspeicher verfügbar, einer für eine 2,5 Zoll SSD und einer für M2-SSD mit SATA (nicht NVMe). Dafür muss man zwar recht viele Schrauben herausdrehen, aber so unzugänglich wie ein Mac ist der Erazer nicht. Eine externe GPU lässt sich leider nicht als zusätzlicher Turbo anschließen, denn trotz gleicher Buchse bietet der Erazer nur eine USB-C-Schnittstelle und nicht etwa Thunderbolt 3. Abgesehen davon ist der Rechner aber sehr üppig mit Schnittstellen versehen, und selbstverständlich kann man Material von einer CFast-Karte aus der Pocket 6K von Blackmagic flott einspielen, wenn die Karte für exFAT formatiert wurde.

Zur Ausgabe in H.265 mit 10 Bit ist auf dem Mac mini das kostenlose Handbrake die effizientere Option.
Die 1660 Ti von Nvidia ist eine recht potente GPU.
Im Akkubetrieb wird die Grafikleistung massiv ausgebremst.
Nur am Stromnetz läuft der Erazer zu Höchstform auf – die Lüfter leider auch.

Testbedingungen

Diesmal waren wir mutiger und haben die Rechner mit BRAW aus der Pocket 6K in höchster Qualitätsstufe und mit UHD in H.264 bei bis zu 50 Bildern pro Sekunde gequält. Die hohe Auflösung in der Fläche verlangt bei geringem Betrachtungsabstand auch nach besserer zeitlicher Auflösung, wenn es nicht shuttern soll. Selbstverständlich wurde das BRAW-Material auf eine schnelle SSD gelegt, denn das sind schon recht hohe Datenraten. Außerdem wurde mit verschiedenen Auflösungen der Timeline und einigen aufwendigen Filtern getestet. Der Mac mini wurde mit und ohne eGPU betrieben, beim Erazer wurde im Akku- und Netzbetrieb getestet – was ebenfalls zu auffälligen Unterschieden führte.

Ein Härtetest mit 6K aus der RED kam auch noch dazu. Da schafften beide 24 fps flüssig bei Einstellung auf ein Viertel der Auflösung, was für einen Kino-Rohschnitt am Laptop völlig ausreicht. BRAW dagegen profitiert kaum von reduzierter Auflösung, weil es sich nicht um einen Wavelet-Codec handelt. Wenn man mit 6K BRAW in einer UHD-Timeline arbeiten möchte, werden 50 fps nicht erreicht. Leider wird das bei einer Umstellung der Timeline auf HD kaum besser, da immer das gesamte Bild decodiert werden muss.

Der Erazer schafft mit Mühe 48, der Mac mini 44 fps, wenn man dort der CPU den Vorzug gibt. Das gilt schon für das reine Abspielen, an Grading ist da nicht zu denken. BRAW sollte also in einen weniger anspruchsvollen Codec umgerechnet werden wie ProRes, Cineform oder DNxHD. Wenn man nicht gerade fürs Kino arbeitet, ist ProRes direkt aus der Kamera sicherlich die bessere Alternative. Material in H.264 dagegen konnten beide Rechner mit 50 fps in UHD zuverlässig abspielen, aber viel Luft für Grading oder gar Effekte ist da auch nicht drin. Wer das unterwegs braucht, sollte die Timeline auf HD umstellen und erst zur finalen Ausgabe wieder auf UHD gehen.

Neben der temporalen Rauschreduktion mit einem Radius von 1 und der Bewegungserkennung auf Better haben wir die spatiale NR mit dem Modus Enhanced getestet, dazu einige rechenaufwändige Filter mit Film Grain, Aperture Diffraction und Dirt Removal (jeweils in der Grundeinstellung). Außerdem wurde ein Programm von zehn Minuten UHD in H.264 und in H.265 gerendert. Dabei unterscheidet sich der Mac mit der AMD-Grafik massiv von der Nvidia-Karte, denn H.265 in „Main10“ (also 10 Bit) wird nur von Letzterer unterstützt. Der Versuch, H.265 in 10 Bit per CPU auf dem Mac zu rendern, endete mit extrem hohen Schätzungen für die Rechenzeit. Beim PC-Laptop war es sehr wichtig, den richtigen Treiber zu finden: Wir haben den Studiotreiber in der Version 431.86 benutzt, bei allen anderen war Resolve sehr instabil. In der Regel ist Resolve mit CUDA etwas schneller, nur die Decodierung von BRAW profitiert ein bisschen mehr von OpenCL.

Beim Encoding zeigt die Nvidia-GPU ihre Stärken, sie kann H.264 und H.265 deutlich schneller als QuickSync encodieren, die CPU alleine braucht dafür extrem lange. Diese Unterstützung gibt es unter Windows aber nur mit der käuflichen Version von Resolve. Trotz Einstellung auf maximale Leistung lief der Erazer im Akkubetrieb nur stark gebremst. Trotzdem hielt der (übrigens leicht zu wechselnde) Akku nur gut eine Stunde. Für Resolve ist der Laptop allein am Stromnetz zu gebrauchen.

Da drehte er dann so richtig auf – leider auch bei der Lüftung, die dann schon fast einem Staubsauger auf dem Tisch glich. Die Radeon in der eGPU kann mit der Nvidia im Erazer nicht mithalten. Beim Aldi-Laptop ist die GPU stärker, aber die CPU langsamer. Stimmt nicht: Nach einer Stunde bei voller Last war der Akku leer. Der Lärm ist praktisch nur mit einem geschlossenen Noise-Cancelling-Kopfhörer zu ertragen. Dieses Problem der Wärmeabfuhr zeigen aber alle Gaming-Laptops bei hoher Leistung.

Mit diesen Einstellungen kann man den Rechner richtig quälen.
Beim Decodieren von BRAW in 6K ist die Hardware massiv gefordert.
Stimmt nicht: Nach einer Stunde bei voller Last war der Akku leer.

Kommentar

Einigermaßen portabel sind beide Lösungen, netzunabhängig ist keine. Ein Gamer-Laptop in ähnlicher Ausstattung ist auch bei anderen Anbietern zu finden, wenn auch nicht ganz so günstig wie bei Aldi. Ein Razer Blade z.B. kostet in sehr ähnlicher Konfiguration 1.600 Euro. So ein Gerät ist erstaunlich leistungsfähig, aber es lässt sich bei voller Last nur mit guten Kopfhörern ertragen. Der Mac mini ist nervenschonender, aber teurer, mit eGPU schwerer und mit dieser Grafikkarte nicht so schnell. Insbesondere fehlen die erweiterten Möglichkeiten zur H.265-Kompression mit Nvidia, die am PC aber nur in der Studioversion von Resolve unterstützt werden.

Die Radeon in der eGPU kann mit der Nvidia im Erazer nicht mithalten.
Beim Aldi-Laptop ist die GPU stärker, aber die CPU langsamer.

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